Biomarker beim metastasierten Nierenzellkarzinom: Bedeutung für Diagnose und Therapie
Ina Grüter befasst sich bei ihrer Forschung im Rahmen des Clinical Scientist Programmes mit der Forschung zur Identifikation spezifischer Biomarker beim metastasierten Nierenzellkarzinom.
Im Folgenden verschafft sie einen Einblick in ihre Forschung, wie diese die Therapie individualisiert als auch das Therapieansprechen dadurch verbessert wird.
Wenn Sie Ihre Forschung in einem Satz zusammenfassen müssten – wie würde dieser lauten?
Mein Ziel ist es die Therapie zu individualisieren und das Therapieansprechen zu verbessern dafür umfasst die Forschung die Etablierung einer Gewebebank und die Identifikation von Biomarkern beim metastasierten Nierenzellkarzinom.
Sie forschen zum metastasierten Nierenzellkarzinom. Was macht die Behandlung besonders herausfordernd?
Das metastasierte Nierenzellkarzinom ist eine Erkrankung mit sehr heterogenem Verlauf: Manche Patienten sprechen über Jahre auf eine Therapie an, andere wiederum kaum. Zwar stehen uns verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung, jedoch fehlen bislang verlässliche Biomarker zur Vorhersage des individuellen Therapieansprechens. Zudem zeigt das Nierenzellkarzinom eine ausgeprägte intra- und intertumorale Heterogenität. Damit ist unklar, ob eine am Primärtumor gewonnene molekulare Klassifikation die Biologie einer Metastase tatsächlich abbildet.
Was sind prädiktive Biomarker und warum sind sie entscheidend?
Prädiktive Biomarker sind biologische Merkmale des Tumors, etwa die Expression bestimmter Proteine im Tumorgewebe oder genetische Veränderungen, die vorhersagen, ob ein Patient wahrscheinlich auf eine bestimmte Therapie ansprechen wird. Für das metastasierte Nierenzellkarzinom sind solche Marker bislang nicht im klinischen Alltag etabliert. Dabei wären sie für die Behandlung von großer Bedeutung: Sie ermöglichen eine verlässlichere Einschätzung der Wirksamkeit, helfen unwirksame Therapien und deren Nebenwirkungen zu vermeiden und schaffen die Grundlage für eine individualisierte Behandlung.
Was wäre in fünf Jahren ein großer Erfolg?
Ein großer Erfolg wäre Biomarker zu identifizieren, die beim metastasierten Nierenzellkarzinom eine verlässliche Therapieentscheidung ermöglichen, mit dem Ziel, das Überleben der Patienten zu verbessern und unwirksame Therapien zu vermeiden. Zudem könnten die Ergebnisse dazu beitragen, Carboanhydrase IX als theranostischen Angriffspunkt für Diagnostik und zielgerichtete Therapien weiter zu erforschen.
Gleichzeitig soll sich die Datenbank als feste Forschungsinfrastruktur am Klinikum Stuttgart etablieren, die für weitere Projekte und Promotionen genutzt wird.
Was macht das Clinical Scientist Programm für Ihre Arbeit konkret möglich, das vorher nicht oder nur schwer umsetzbar gewesen wäre?
Das Programm ermöglicht wissenschaftliches Arbeiten parallel zur klinischen Tätigkeit. Dadurch lässt sich ein Projekt dieses Umfangs systematisch umsetzen: der Aufbau einer klinischen Datenbank, die Zusammenstellung des zugehörigen Tumorgewebes und dessen wissenschaftliche Auswertung. Im regulären Klinikalltag wäre das allenfalls in Teilen und über einen deutlich längeren Zeitraum realisierbar. Zugleich entsteht eine Infrastruktur, die über meine eigene Arbeit hinaus für weitere Forschungsprojekte genutzt werden kann.
Worauf sind Sie in den vergangenen Monaten besonders stolz?
Besonders freut mich, dass die Datenbank inzwischen so weit aufgebaut ist, dass erste Auswertungen möglich waren. Sie ist so angelegt, dass sie kontinuierlich erweitert und für weitere wissenschaftliche Fragestellungen genutzt werden kann. Die Untersuchung des Tumorgewebes ist vorbereitet, sodass dies als nächster Schritt ansteht.
Ich forsche, weil…
… es ohne Forschung keinen Fortschritt in der Behandlung unserer Patienten gibt.