Das G-BA-konforme Kinderherzzentrum: Moderne Kinderherzmedizin am ZAHF Stuttgart
Wenn ein Kind mit einem Herzfehler zur Welt kommt, gerät für die Eltern zunächst vieles ins Wanken. Jedes Kind und jedes Kinderherz ist einzigartig.
Aus diesem Grund bieten wir im Kinderherzzentrum des ZAHF Stuttgart das gesamte Behandlungsspektrum der modernen Kinderherzchirurgie und Kinderkardiologie an, um jedem Kind individuell und bestmöglich zu helfen. Dahinter steht ein eng zusammenarbeitendes, interdisziplinäres und multiprofessionelles Team aus erfahrenen, spezialisierten Kinderkardiologen, Kinderherzchirurgen, Kinderkardioanästhesisten, Kinderintensivmedizinern und Pflegekräften.
Als Akademisches Lehrkrankenhaus mit eigener klinischer Forschung verbinden wir wissenschaftliche Expertise mit einem klaren Schwerpunkt: der Behandlung unserer Patientinnen und Patienten. Dabei konzentrieren wir uns als Haus der Maximalversorgung ganz auf Spitzenleistungen in der klinischen Versorgung, etwa in der minimalinvasiven Kinderherzchirurgie, bei komplexen Kathetereingriffen und bei schwer behandelbaren Herzrhythmusstörungen.
Unser Ziel ist, für jedes Neugeborene, auch für die allerkleinsten Frühgeborenen, den sichersten und schonendsten Weg zu einer optimalen Behandlung zu finden.
Fehlbildungen des linken Herzens und der Hauptschlagader (Aorta) sind vielfältig. Wir decken das gesamte Spektrum ab, um für jedes neugeborene Kind die individuell beste Therapie sicherzustellen:
| Krankheitsbild und Anatomie | Unser therapeutischer Ansatz | Invasivität und Besonderheiten |
|---|---|---|
| Isolierte Aortenisthmusstenose (ISTA) bei reifen Neugeborenen und Säuglingen Eine umschriebene Einengung der Hauptschlagader. | Minimalinvasive kinderherzchirurgische Korrektur | Besonders schonend: Der Eingriff erfolgt über einen kleinen seitlichen Schnitt am linken Brustkorb (Thorakotomie) am schlagenden Herzen – ganz ohne Herz-Lungen-Maschine (HLM). |
| Isolierte Aortenisthmusstenose (ISTA) bei Frühgeborenen, auch bei extrem Frühgeborenen unter 1000 g | Spezialisiertes Katheterverfahren (Stent in der Engstelle) | Besonders geeignet für die Kleinsten: Sehr kleine Frühgeborene sind selbst für eine schonende Operation noch zu empfindlich. Deshalb setzen wir über einen minimalen Gefäßzugang einen winzigen Stent passgenau in die Engstelle. Die Durchblutung stabilisiert sich sofort, und eine Operation in dieser kritischen Phase wird vermieden. Der Eingriff erfolgt in unserem modern ausgestatteten Kinderherzkatheterlabor. Die minimalinvasive Korrekturoperation folgt typischerweise einige Monate später, wenn Ihr Kind größer und kräftiger ist. Bis zur Verlegung aus der Neonatologie werden die Frühgeborenen dort gemeinsam von Neonatologen und Kinderkardiologen im „Stuttgarter Frühgeborenen-Herz-Team“ (PtHT, Preterm Heart Team) betreut. |
| Hypoplastischer Aortenbogen Eine ausgedehnte Unterentwicklung und Verengung des Aortenbogens. | Kinderherzchirurgische Erweiterung (Bogenrekonstruktion) | Höchste Präzision: Dieser Eingriff erfordert die Herz-Lungen-Maschine. Mit modernen Perfusionsverfahren stellen wir während der gesamten Korrektur eine kontinuierliche und sorgfältige Durchblutung aller Organe sicher, insbesondere des Gehirns. |
| Grenzwertige Linksherzstrukturen: „Borderline“-Linksherz, HLHC (hypoplastischer Linksherzkomplex) Kombination aus kleiner Aortenklappe, kleiner Mitralklappe und kleiner linker Herzkammer in unterschiedlicher Ausprägung. | Gießen-Hybrid-Verfahren mit dem Ziel des LV-Recruitments (Wachstum der linken Herzkammer sowie der Mitral- und Aortenklappe) | Unsere bevorzugte Behandlungsoption: Verbindet die Vorteile von Herzkatheter und minimalinvasiver Chirurgie, schont Ihr Kind in den ersten Lebenstagen und schafft die besten Voraussetzungen für einen späteren Kreislauf mit zwei Herzkammern (biventrikuläre Zirkulation). |
| Hypoplastisches Linksherzsyndrom (HLHS) Schwere Unterentwicklung der gesamten linken Herzhälfte. | Gießen-Hybrid-Verfahren als erster Schritt eines stufenweisen Behandlungskonzepts | Unsere bevorzugte Behandlungsoption: Verbindet die Vorteile von Herzkatheter und minimalinvasiver Chirurgie, schont Ihr Kind in den ersten Lebenstagen und schafft eine gute Grundlage für seine weitere Entwicklung. |
Die klassische Behandlung des hypoplastischen Linksherzsyndroms (HLHS) und des hypoplastischen Linksherzkomplexes (HLHC) beginnt mit der Norwood-Operation in den ersten Lebenstagen. Diese Operation ist ein großer und komplexer Eingriff am offenen Herzen, unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine und mit künstlich herbeigeführtem Herzstillstand.
Am ZAHF Stuttgart setzen wir das Gießen-Hybrid-Verfahren seit Jahren erfolgreich und mit sehr guten Ergebnissen ein. Damit lässt sich die Norwood-Operation, die bei uns ebenfalls fest etabliert ist, in fast allen Fällen vermeiden.
Das Gießen-Hybrid-Verfahren:
- Kinderkardiologie und Kinderherzchirurgie Hand in Hand: „Hybrid“ bedeutet, dass beide Fachdisziplinen eng abgestimmt zusammenarbeiten. Zunächst verengen die Kinderherzchirurgen über einen kleinen Brustkorbschnitt die rechte und linke Lungenarterie (beidseitiges Pulmonalisbanding) und verschließen den Brustkorb direkt wieder. Anschließend setzen die Kinderkardiologen mit moderner Kathetertechnik über ein Blutgefäß in der Leiste einen Stent in den Ductus arteriosus (die natürliche Gefäßverbindung zwischen Lungen- und Hauptschlagader aus der Zeit vor der Geburt), um ihn dauerhaft offen zu halten. Damit das Blut ungehindert vom linken in den rechten Vorhof fließen kann, wird bei Bedarf zusätzlich die Verbindung zwischen den Vorhöfen mit einem Ballonkatheter erweitert (Ballonatrioseptostomie). Wird diese Verbindung im Verlauf der folgenden Wochen und Monate zu eng, kann sie im Kinderherzkatheterlabor mit einem Stent im Vorhofseptum dauerhaft offen gehalten werden.
- Schonend in den ersten Lebenstagen: Der Gießen-Hybrid-Eingriff ist wesentlich weniger invasiv als die komplexe Norwood-Operation und kommt ohne Herz-Lungen-Maschine aus. So bleiben Ihrem neugeborenen Kind die Belastungen der Norwood-Operation und die der Herz-Lungen-Maschine in den besonders empfindlichen ersten Lebenstagen erspart. Die typischen Folgen einer Norwood-Operation, wie ausgeprägte Wassereinlagerungen im Gewebe (Kapillarleck) oder ein vorübergehend offen belassener Brustkorb, sehen wir daher nach dem Gießen-Hybrid-Eingriff nicht. Auch ein hoher Bedarf an kreislaufstützenden Medikamenten lässt sich typischerweise vermeiden.
- Wachstumsreiz für die linke Herzkammer beim HLHC: Das Gießen-Hybrid-Verfahren fördert im Gegensatz zur klassischen Norwood-Operation den Blutfluss durch die kleine linke Kammer. Dieser Fluss wirkt als natürlicher Wachstumsreiz und nutzt das große Wachstumspotenzial des Neugeborenenherzens. So wächst die linke Kammer in den folgenden Monaten heran, wenn die Herzstrukturen das erlauben. Damit hat Ihr Kind die besten Chancen auf eine spätere biventrikuläre Korrektur, also auf ein Leben mit einem „Zwei-Kammer-Herzen“.
Was das für Ihr neugeborenes Kind bedeutet
Nach dem Gießen-Hybrid-Eingriff muss Ihr Kind im Vergleich zur Norwood-Operation meist nur wenige Stunden beatmet werden und verbringt deutlich weniger Zeit auf der Intensivstation. Unser Ziel ist, dass es bereits am ersten Tag nach dem Eingriff wieder selbst trinken oder gestillt werden kann. Nach einer Norwood-Operation wäre das nicht möglich. So kann Ihr Kind spürbar früher, meist etwa zwei bis drei Wochen nach dem Eingriff, nach Hause zu seiner Familie. Das ist die beste Grundlage für eine gesunde Entwicklung.
Erst nach einigen Lebensmonaten, wenn Ihr Kind stabiler und kräftiger geworden und gewachsen ist, folgt der zweite geplante Eingriff:
- Beim hypoplastischen Linksherzkomplex (HLHC): Ist die linke Herzkammer ausreichend gewachsen, führen wir zwischen dem 5. und 12. Lebensmonat die biventrikuläre Korrekturoperation durch und stellen so einen Kreislauf mit zwei Herzkammern her. Den Zeitpunkt wählen wir so, dass er für Ihr Kind anatomisch und funktionell optimal ist. Reicht das Wachstum der linken Kammer dafür nicht aus, setzen wir die Behandlung auf dem stufenweisen Weg fort, der beim HLHS beschrieben ist.
- Beim schwer ausgeprägten hypoplastischen Linksherzsyndrom (HLHS): Hier folgt typischerweise im Alter von etwa 5 Monaten die sogenannte „Comprehensive Stage II“. Diese Operation verbindet die Schritte der Norwood-Operation, also die Erweiterung und den Neuaufbau der Hauptschlagader, mit dem Anschluss der oberen Hohlvene an die Lungenschlagader (Glenn-Operation). Die Bändchen an den Lungenarterien und der Stent im Ductus werden dabei entfernt. Der Eingriff erfolgt mit Herz-Lungen-Maschine, dann aber bei Ihrem bereits größeren und stabileren Kind, das danach meist nur wenige Stunden beatmet werden muss.
Eine Glenn-Operation ist im Alter von einigen Lebensmonaten auch nach einer Norwood-Operation im Neugeborenenalter notwendig, sodass das Gießen-Hybrid-Verfahren keine zusätzliche Operation erfordert.
Im Alter von etwa zweieinhalb bis drei Jahren schließt die Fontan-Operation die stufenweise Behandlung des HLHS ab, unabhängig davon, ob im Neugeborenenalter eine Norwood-Operation oder ein Gießen-Hybrid-Eingriff durchgeführt wurde.
Das Gießen-Hybrid-Verfahren ist unser klinischer Standard, weil wir es für das kindgerechtere Vorgehen halten. Darüber hinaus stehen am ZAHF Stuttgart alle etablierten Behandlungsoptionen zur Verfügung. Bei besonderen anatomischen Gegebenheiten passen wir unsere Strategie individuell an:
- Klassische Norwood-Operation: Sprechen in einzelnen Fällen anatomische Gegebenheiten gegen einen primären Hybrid-Eingriff, bleibt die Norwood-Operation eine verlässliche Option.
- Harvard-Vorgehen (Staged LV-Recruitment): Bei älteren Kindern mit geeigneter Herzanatomie kann das operativ belastendere und aufwendigere Vorgehen nach dem Vorbild des Boston Children’s Hospital durchgeführt werden.
Unser interdisziplinäres Team wägt für Ihr Kind sorgfältig ab, welches Verfahren unter Berücksichtigung aller anatomischen Besonderheiten die sichersten und langfristig besten Aussichten bietet. Unsere Einschätzung besprechen wir ausführlich mit Ihnen. Die beste Entscheidung für Ihr Kind treffen wir gemeinsam: Sie als Eltern und wir als Ihr Behandlungsteam.
Am ZAHF Stuttgart schlägt unser Herz für die Kleinsten. Unser Team aus Kinderkardiologen, Kinderherzchirurgen, Kinderkardioanästhesisten, Neonatologen und spezialisierten Intensivpflegekräften begleitet Sie von der vorgeburtlichen Diagnose über die Geburt bis zur Nachsorge. Gemeinsam bieten wir Ihrem Kind Herzmedizin mit höchstem Qualitätsanspruch: mit modernsten Verfahren und so sicher, schonend und kindgerecht wie möglich.
Ob Sie nach einer vorgeburtlichen Diagnose eine erste Beratung wünschen oder Ihr Kind zur Operation zu uns kommt: Wir begleiten Ihre Familie Schritt für Schritt auf diesem Weg.
Zur pränatalen Beratung / fetalen Echokardiographie
Für werdende Eltern nach einem auffälligen vorgeburtlichen Befund. Wir nehmen uns Zeit für eine ausführliche Ultraschalluntersuchung des Herzens, eine ehrliche Zweitmeinung und die gemeinsame Planung der Geburt.
Unsere familienfreundliche Intensivstation MC21
Hier wird Ihr Kind nach dem Eingriff auf höchstem medizinischem Niveau betreut. Auf der MC21 leben wir familienzentrierte Pflege: Eltern sind keine Besucher, sondern fester Bestandteil des Heilungsprozesses und Teil unseres Teams.
Unsere kindgerechte Überwachungs- und Normalstation MA21
Hier erholt sich Ihr Kind und wird weiter stabilisiert. In einer geschützten, kindgerechten Umgebung bereiten wir Sie in Ruhe auf die Entlassung nach Hause vor.
Klinik für Kinderherzchirurgie und Chirurgie angeborener Herzfehler
Die Klinik ist integraler Bestandteil des Kinderherzzentrums und des Zentrums für angeborene Herzfehler Stuttgart. Operiert wird in einem OP-Saal direkt neben der Intensivstation, gemeinsam im interdisziplinären Team aus Kinderherzchirurgie, Kinderkardiologie und Kinderkardioanästhesie. Diese kurzen Wege sind gerade für die kleinsten Patienten von großem Vorteil.
Auch diese Klinik ist integraler Bestandteil des Kinderherzzentrums und des Zentrums für angeborene Herzfehler Stuttgart. Hier sind die Pränatalberatung bei angeborenen Herzfehlern (fetale Echokardiographie zusammen mit der Pränataldiagnostik in der Frauenklinik), das Kinderherzkatheterlabor und die kinderkardiologisch-pädiatrische Intensivstation MC21 angesiedelt. Die Kinderkardiologie begleitet Ihr Kind von der ersten Diagnose über Katheterbehandlungen und Intensivtherapie bis zur lebenslangen Nachsorge, auch im Erwachsenenalter.
Möchten Sie einen Termin vereinbaren oder haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.
Sekretariat Kinderherzchirurgie und Chirurgie angeborener Herzfehler:
Frau Neuwirth: Telefon 0711 278-36107
k.neuwirth@klinikum-stuttgart.de
Sekretariat Kinderkardiologie mit kinderkardiologisch-pädiatrischer Intensivstation:
Frau Bierwirth, Frau Filipovic, Frau Gebauer: Telefon 0711 278-72441
zahf@klinikum-stuttgart.de