Minimalinvasive Korrektur des doppelten Aortenbogens
Beim doppelten Aortenbogen, einer seltenen angeborenen Gefäßanomalie des Aortenbogensystems, entspringen zwei Aortenbögen aus der aufsteigenden Aorta und umschließen ringförmig die Luftröhre und die Speiseröhre. Dadurch entsteht ein sogenannter vaskulärer Ring, der je nach Ausprägung zu einer Kompression der Atemwege und des Ösophagus (Speiseröhre) führen kann. Typische Symptome sind Stridor, rezidivierende Atemwegsinfektionen, chronischer Husten, Belastungsdyspnoe sowie Schluckstörungen und Gedeihstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter. Ohne operative Behandlung können die Beschwerden persistieren oder sich im Verlauf verstärken.
In diesem Video zeigen wir die thorakoskopische Korrektur eines doppelten Aortenbogens.
Die vaskulären Ringe umfassen eine Gruppe seltener angeborener Anomalien des Aortenbogens und seiner Äste. Zu den häufigsten Formen zählen der doppelte Aortenbogen sowie der rechtsseitige Aortenbogen mit aberrierender Arteria subclavia und Ligamentum arteriosum. Die Diagnosestellung erfolgt heute in der Regel mittels Echokardiographie sowie einer kontrastmittelgestützten CT- oder MRT-Angiographie, die eine exakte dreidimensionale Darstellung der Gefäßanatomie und ihrer Beziehung zu Trachea und Ösophagus ermöglicht. Die Indikation zur operativen Korrektur besteht bei symptomatischen Patienten und zielt auf die vollständige Aufhebung des vaskulären Rings und damit auf die dauerhafte Entlastung der komprimierten Strukturen.
Der Eingriff erfolgt in unserem Zentrum minimalinvasiv thorakoskopisch über drei lediglich 5 mm große Zugänge im linken Hemithorax. Nach Einbringen der Instrumente werden die anatomischen Strukturen unter hochauflösender Videooptik sorgfältig dargestellt und präpariert. Dabei werden der dominante und der hypoplastische Aortenbogen sowie die Abgänge der supraaortalen Gefäße eindeutig identifiziert. Nach sorgfältiger Mobilisation wird der kleinere, funktionell nicht dominante Aortenbogen zwischen den großen Gefäßabgängen und der Aorta descendens sicher verschlossen und anschließend durchtrennt. Dadurch wird der vaskuläre Ring vollständig eröffnet und die Kompression von Trachea und Ösophagus zuverlässig beseitigt. Abschließend wird die vollständige Entlastung der umgebenden Strukturen kontrolliert und eine sorgfältige Blutstillung durchgeführt.
Die thorakoskopische Technik bietet gegenüber der konventionellen offenen Thorakotomie mehrere Vorteile. Neben einer exzellenten, vergrößerten Darstellung der feinen anatomischen Strukturen ermöglicht sie ein besonders schonendes Operieren mit deutlich geringerem Weichteiltrauma. Dies führt in der Regel zu weniger postoperativen Schmerzen, einer besseren kosmetischen Narbenbildung, einer schnelleren Mobilisation und einem kürzeren Krankenhausaufenthalt. Gleichzeitig wird die Integrität der Thoraxwand erhalten, wodurch langfristige muskuloskelettale Folgen einer Thorakotomie vermieden werden können.
Nach erfolgreicher operativer Durchtrennung des Gefäßrings kommt es bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten zu einer deutlichen oder vollständigen Rückbildung der Atemwegs- und Schluckbeschwerden. Die Langzeitergebnisse sind ausgezeichnet, und erneute Eingriffe sind nur selten erforderlich. Voraussetzung für ein optimales Ergebnis sind eine präzise präoperative Bildgebung, eine sorgfältige operative Technik sowie die interdisziplinäre Betreuung durch ein spezialisiertes Zentrum für angeborene Herzfehler, wie sie im Klinikum Stuttgart gegeben sind.