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LVAD gegen schwere Herzinsuffienz

Vielen Patienten mit Herzproblemen kann heute durch die Gabe von Medikamenten oder eine Operation am Herzen geholfen werden. Leider noch nicht allen. Manchmal hilft nur ein Spenderherz, von denen es aber viel zu wenige gibt. Zudem ist eine Herztransplantation nur für Patienten bis 65 Jahren möglich. Im Herzzentrum des Klinikums Stuttgart erhalten diese Patienten eine künstliche Herzpumpe, ein sogenanntes LVAD (links ventrikuläres assist device), das die Wartezeit bis zur Organspende überbrücken kann oder für Patienten ab 65 Jahren eine deutliche Linderung der Beschwerden bringt.

Was bedeutet LVAD?

LVAD steht für Left Ventricular Assist Device. Es handelt sich dabei um ein mechanisches Hilfsmittel (Pumpe), das ins Herz von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Es kommt bei Patienten zum Einsatz, bei denen das Herz aufgrund der Schädigung durch z.B. Durchblutungsstörungen oder Herzklappenfehler nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Konkret handelt es sich um ein implantierbares mechanisches Gerät, das die Funktion der linken Herzseite unterstützt, indem es Blut aus der linken Herzkammer aufnimmt und in den Körperkreislauf pumpt.

Das LVAD-System besteht aus mehreren Komponenten:

  • Eine kleine mechanische Pumpe wird an der Spitze der linken Herzkammer implantiert. Sie pumpt das Blut aus der Kammer in die Aorta (die Hauptarterie)
  • Ein Schlauch für den Bluttransport verbindet das LVAD mit der Aorta, der großen Körperschlagader, die alle Organe mit arteriellem Blut versorgt.
  • Das LVAD wird von einer externen Batterie oder einem Netzteil betrieben, das der Patient mit sich trägt.

Für welche Patienten kommt ein LVAD in Frage?

LVADs kommen hauptsächlich bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz zum Einsatz, wenn andere Therapieoptionen wie Medikamente nicht mehr ausreichen. Das System hilft dabei, das Herz zu entlasten und den Blutkreislauf zu stabilisieren. „Ein Teil der Patienten, denen wir diese Pumpe implantieren, müssen sich in der Zukunft einer Herztransplantation unterziehen und stehen daher in speziellen Fällen bereits auf der Warteliste für ein Spenderherz. Wenn sich ihr Zustand verschlechtert, implantieren wir das System, um die Zeit bis zur ersehnten Herztransplantation zu überbrücken. Damit verhindern wir, dass die Patienten auf der Warteliste sterben. Zudem können wir Patienten, für die eine Herztransplantation nicht mehr in Frage kommt, ein relativ gutes Leben ermöglichen – trotz der teilweise starken Beeinträchtigungen, die so ein LVAD unweigerlich mit sich bringt“, sagt Prof. Joerg Seeburger, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums im Klinikum Stuttgart.

Ein LVAD kann das Überleben von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz signifikant verlängern und die Lebensqualität steigern. Viele Patienten sind nach dem Eingriff wieder in der Lage, alltägliche Aktivitäten auszuführen, die vorher aufgrund von Müdigkeit, Atemnot oder Schwäche nicht mehr möglich waren.

Was sollten Patienten beachten und wo liegen die Risiken?

Im Klinikum Stuttgart als Maximalversorger werden LVAD-Implantationen durch eine enge Zusammenarbeit im Heart Team von Herzchirurgie, Kardiologie, Intensivmedizin und Kardioanästhesie durchgeführt, was den Patienten eine ganzheitliche, individuell abgestimmte Versorgung garantiert.

Der Grund für die meist zeitlich befristete Implantation des LVAD liegt insbesondere in der Infektionsgefahr. Die erforderliche externe Stromquelle muss mit dem im Inneren des Körpers befindlichen LVAD verbunden werden, was ein Risiko für Infektionen darstellt. Durch engmaschige Beobachtung auch nach der OP wird die Gefahr reduziert bzw. Probleme in einem sehr frühen Stadium erkannt und durch Antibiotikatherapie behandelt. Weitere Risiken, etwa die Entstehung von Thrombosen, minimiert das Klinikum Stuttgart durch die Anwendung neuester Modelle, die in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt wurden.

Prof. Seeburger: „Was zu einer deutlichen Verbesserung der Patientenversorgung beiträgt, ist die Bereitstellung eines motivierten und engagierten Heart Teams, das sich primär um die Versorgung dieser Patienten kümmert. Hierzu gehören neben Ärzten spezialisierte Pflegekräfte, LVAD Koordinatoren, Sozialarbeiter und andere, die eine reibungslose Betreuung dieser Patienten ermöglichten.“