Klinik für Gefäßchirurgie, Endovaskuläre Chirurgie und Transplantationschirurgie
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Behandlungsmethoden der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)

Medikamente & Lebensstil – Erste Schritte zur Verbesserung der Durchblutung


Bei pAVK ist es besonders wichtig, die Blutgefäße zu schützen. Medikamente und eine bewusste Lebensweise bilden dabei die Grundlage jeder Behandlung.

Medikamente:

  • Blutverdünner (z. B. ASS oder Clopidogrel) senken das Risiko von Blutgerinnseln.
  • Cholesterinsenkende Medikamente (z. B. Statine) stabilisieren die Gefäße und verhindern neue Ablagerungen
  • Blutdruckmedikamente schützen vor Gefäßschäden.

Gesunder Lebensstil:

  • Raucherentwöhnung: Rauchen ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für pAVK – neben Diabetes. Es verschlechtert die Durchblutung, erhöht das Risiko für Komplikationen bei Eingriffen und steigert die Gefahr für Amputationen. Wer mit dem Rauchen aufhört, hat bessere Überlebenschancen und deutlich geringere Amputationsraten – schon nach wenigen Jahren.
    Die Klinik für Suchtmedizin und Abhängiges Verhalten im Klinikum Stuttgart bietet ein Raucherentwöhnungsprogramm an.
  • Gesunde Ernährung
  • Bewegung: Tägliche Aktivität ist der Schlüssel – auch bei Einschränkungen.
  • Gehtraining – Ihre persönliche Therapie zum Mitmachen
    Das strukturierte Gehtraining ist eine der wirksamsten Maßnahmen bei pAVK – es kann den Verlauf der Erkrankung verbessern. Durch dieses Training bildet der Körper neue kleine Blutgefäße (Kollateralen), die die Durchblutung verbessern – wie natürliche Umleitungen. Gemeinsam mit dem MTV Stuttgart bietet das Klinikum Stuttgart Ihnen die Teilnahme an einem strukturiertem Gehtraining an: Weitere Infos auf der Homepage des MTV Stuttgart.

 

Beinerhalt durch moderne, minimal invasive Therapien


Dank neuer, kathetergestützter Verfahren mit lokaler Betäubung ist es heute in vielen Fällen möglich, eine Amputation zu vermeiden:

  • Ballonaufdehnung (PTA):
    Es wird ein kleiner Ballon in das verengte Gefäß eingebracht und dort vorsichtig aufgeblasen. Dadurch wird die Engstelle erweitert und die Durchblutung verbessert.
  • Medikamentenbeschichteter Ballon (DEB):
    Dieser Ballon gibt ein Medikament an die Gefäßwand ab, um eine erneute Verengung zu verhindern.
  • Scoring-Ballon:
    Dieser Ballon hat kleine Rillen oder Drähte an der Oberfläche. Beim Aufblasen wird der Druck gezielt auf die verkalkte Engstelle gelenkt, um harte Ablagerungen schonend zu öffnen. Das Verfahren ist besonders hilfreich bei widerstandsfähigen oder stark verkalkten Gefäßen, ohne die Gefäßwand zu verletzen.

Stent-Implantation

Wenn eine Ballonaufdehnung allein nicht ausreicht oder das Gefäß instabil ist, wird ein Stent eingesetzt – ein kleines metallenes Röhrchen, das das Gefäß dauerhaft offenhält. Es gibt verschiedene Stent-Typen:

  • Bare-Metal-Stent (BMS): Klassischer Metallstent ohne Medikamentenbeschichtung 
  • Drug-Eluting-Stent (DES): Gibt Medikamente ab, die das Risiko einer erneuten Verengung verringern 
  • Gecovert Stent (Covered Stent): Mit spezieller Hülle – wird z. B. bei verletzten Gefäßwänden oder Verschlüssen eingesetzt

Atherektomie – Entfernung von Ablagerungen

Bei stark verkalkten oder verhärteten Engstellen reicht eine Ballonbehandlung manchmal nicht aus. In diesem Fall kann eine Atherektomie sinnvoll sein. Dabei wird über einen Katheter eine kleine Fräse, Klinge oder ein rotierendes System in das Gefäß eingeführt, das Ablagerungen oder Thromben gezielt abträgt und entfernt, ohne das Gefäß zu verletzen. Diese Methode wird besonders dann eingesetzt, wenn eine sehr harte oder wiederholte Gefäßverengung vorliegt.

Intravaskuläre Lithotripsie (IVL)

Die Intravaskuläre Lithotripsie (IVL) ist eine moderne, besonders schonende Methode zur Behandlung von verkalkten Blutgefäßen. Dabei werden kleine Druckwellen (ähnlich wie bei der Nierensteinbehandlung) direkt im Gefäß erzeugt. Diese lockern harte Kalkablagerungen, ohne das gesunde Gewebe zu verletzen.

Tiefe Venen-Arterialisierung (DVA)

Die tiefe Venen-Arterialisierung (DVA) ist ein innovatives Verfahren für Patienten mit fortgeschrittener pAVK, bei denen andere Therapien nicht mehr helfen. Bei der DVA wird das arterielle Blut, das normalerweise durch die Arterien fließt, mittels einer speziellen Umleitung in tiefere Venen geleitet. Dies ermöglicht es, auch die Bereiche des Beins mit unzureichender Sauerstoffversorgung zu erreichen und zu versorgen. Dadurch kann die Durchblutung verbessert und Schmerzen gelindert werden.

 

Offene chirurgische Verfahren – wenn minimalinvasive Methoden nicht ausreichen


Manchmal ist eine operative Behandlung notwendig, wenn Katheterverfahren nicht mehr helfen oder die Gefäße zu stark geschädigt sind.

  • Endarteriektomie (Ausschälplastik):
    Bei dieser Operation werden Verkalkungen oder Ablagerungen direkt aus dem Gefäß entfernt, damit das Blut wieder frei fließen kann.
  • Thrombektomie:
    Hierbei wird ein akutes Blutgerinnsel (Thrombus) aus dem Gefäß entfernt – häufig bei plötzlichen Verschlüssen, z. B. nach einem Embolus.
  • Bypass-Operation:
    Wenn ein Gefäß komplett verschlossen ist, wird eine künstliche oder körpereigene Umleitung (Vene) gelegt, um das Blut an der verschlossenen Stelle vorbeizuführen – ein "neuer Weg" für den Blutfluss.

Hybrid-Operation – Kombination aus Katheter und offener Chirurgie

In einigen Fällen ist es sinnvoll, minimalinvasive Katheterverfahren und klassische Operationen zu kombinieren. Das nennt man eine Hybrid-Operation. Dabei werden z. B. eine Ballonaufdehnung oder ein Stent mit einer offenen Gefäßoperation (wie einer Bypass-Anlage oder Endarteriektomie) in einer einzigen Sitzung durchgeführt.

 

Moderne Wundversorgung


Offene Wunden am Fuß oder Bein heilen bei pAVK oft schlecht – besonders bei Diabetes. Eine moderne Wundversorgung kann helfen, das Bein zu retten und die Heilung zu beschleunigen.

Methoden der modernen Wundbehandlung:

  • Offene Wundbehandlung: Mit speziellen Verbänden, Wundauflagen oder Salben – individuell angepasst.
  • Vakuumtherapie (VAC): Eine Pumpe erzeugt Unterdruck auf der Wunde – das fördert die Heilung und entfernt Wundflüssigkeit. Das hilft der Wunde, schneller zu heilen und sauber zu bleiben.
  • Hauttransplantation: Bei größeren Wunden kann gesunde Haut von einer anderen Körperstelle entnommen und auf die Wunde übertragen werden, um die Heilung zu unterstützen.

Ziel ist immer: Infektionen verhindern, Schmerzen lindern und Amputationen vermeiden.

Im Interdisziplinären Diabetischen Fuß-Zentrum (InDiZ) arbeiten die Fachdisziplinen Diabetologie, Gefäßchirurgie, interventionelle Radiologie und rekonstruktive orthopädisch-unfallchirurgische Fußchirurgie sowie Wundexperten zusammen - mit dem Ziel des Fußerhalts. Kooperationen bestehen zudem mit den Mikrobiologen des Klinikums sowie einem Podologen und einem Orthopädieschuhmacher und Sozialdienst.

In manchen Fällen kann es hilfreich sein, eine zweite ärztliche Einschätzung einzuholen – vor allem bei komplexen Befunden, wenn größere Eingriffe im Raum stehen oder sogar eine Amputation droht.

Eine Zweitmeinung dient dazu,

  • Behandlungsoptionen besser zu verstehen,
  • mögliche Alternativen kennenzulernen,
  • und eine sichere, gut informierte Entscheidung treffen zu können.
  • Besonders bei geplanten Amputationen kann eine Zweitmeinung beinerhaltende Optionen aufzeigen

Hierzu beraten wir Sie gerne in unseren Spezialsprechstunden für Erkrankungen der Becken- und Beinschlagadern (Mo-Fr 08:00 - 14:00 Uhr).
Telefonische Terminvereinbarung: 0711 278-33633
Erreichbarkeit: Mo-Fr 10-14 Uhr

Privatsprechstunde Prof. Dr. med. Geisbüsch:
Mo 12:00 - 15:00 Uhr
Do 09:00 - 15:00 Uhr
Telefonische Terminvereinbarung unter 0711 278-33601