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198 Jahre Hebammenschule

La machine & MamaBirthie – Geburtssimulatoren früher und heute

La machine, hier im Bild zu sehen ist ein Geburtssimulator von 1751 aus Frankreich. Die Hebamme Angélique du Coudray aus Paris, baute ihre „Maschine“, um dem Auftrag von Ludwig XV. nachgehen zu können, die Kindersterblichkeit zu verringern. La machine ermöglichte ihr, Hebammen, Frauen, Chirurgen und Ärzte den Geburtsvorgang, sowie Handgriffe zu simulieren. Durch einen zweimonatigen „Kurs“ und damit verbundenem Unterricht in Anatomie, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Geburt in allen Facetten und Nachsorge bildete sie systematisch Hebammen und Geburtshelfer aus. Unter anderem dadurch, dass sie damit durch ganz Frankreich reiste, sank die Säuglingssterblichkeit.


Auch heute noch gibt es Geburtssimulatoren, um beispielsweise die Ausbildung von Hebammen zu erleichtern. In der heutigen Zeit haben diese Simulatoren immer noch ähnliche Funktionen wie der ursprüngliche Simulator, doch sind sie wie das hier gezeigte Modell, auch in Varianten zu kaufen, welche an den Körper einer Frau geschnallt werden können, sodass das ganze Modell deutlich flexibler ist, als im 18. Jhd. Diese Flexibilität ermöglicht echte Geburtssimulationen, wie sie beispielsweise in der ehemaligen Hebammenschule auch zur Ausbildung der Hebammen stattgefunden haben und weiterhin im Hebammenstudium und in der Ausbildung von Gynäkolog:innen stattfinden.

Hebammenkoffer

Dieser Hebammenkoffer war im Besitz der Hebammenschule Stuttgart, erfreulicherweise war dieser auch mit alten Instrumenten, Medikamenten und Verbrauchsmaterialien bestückt, mit denen auch diese Vitrine entstanden ist. Anfang/ Mitte des 20. Jahrhunderts war deshalb vermutlich ungefähr dieser Inhalt in jedem Hebammenkoffer zu finden. Die Fülle an Materialien, mit denen der Koffer gefüllt ist zeigt, dass die Hebammen viel verschiedenes Material benötigt haben, um ihre verschiedenen Tätigkeitsfelder, von Vorsorge, Geburt und Nachsorge abdecken zu können.

Hygiene

Heute ist Hygiene in Krankenhäusern und in der Medizinischen Versorgung ein essentieller Bestandteil. Doch gab es nicht schon immer diese Sorgfältigkeit, geschweige denn Geräte, die Instrumente wieder sauber machen, wie Sterilisatoren. Dennoch war die Hygiene ab dem 20. Jhd. ein Teil der Versorgung. So kommt es auch, dass in alten Hebammenkoffern, Waschschüsseln, Spiritusbrenner, Alkohol und Bürsten zur Reinigung und Desinfektion der Materialien zu finden sind. 

So auch das Sagrotan, denn die Marke, die heute noch für Putz- und Desinfektionsmittel bekannt ist, produzierte seit Ende des 19. Jhd. ein Universaldesinfektionsmittel, welches auch zur Bekämpfung von Krankheitserregern genutzt wurde.
Einen besonderen Fokus legte die Marke auf die
persönliche Hygiene der Frau und so kam es, dass in
vielen Hebammenkoffern eine Flasche Sagrotan zu finden war.

Kompressen – Landeshebammenschule Stuttgart

Diese Kompressen wurden hergestellt nach der Vorschrift der Landeshebammenschule Stuttgart. Die Hebammenschule Stuttgart wurde 1828 hier am Katharinenhospital gegründet und war an genau dieser Stelle (Herdweg/ Ecke Kriegsbergstraße). Zwischen 1921 und 1986 war die Schule dem Land unterstellt und somit die Landeshebammenschule, aus dieser Zeit stammt vermutlich auch das Päckchen mit den Kompressen. Ab 2018 war die Hebammenschule nach einer Zeit an anderen Standorten, hier im Gebäude N des Klinikums Stuttgart. Seit Herbst 2025 gibt es keine Hebammenschule mehr, da das Hebammengesetz von 2020 einen dualen Hebammenstudiengang für Hebammenwissenschaften vorsieht. Die Hebammenschule in Stuttgart hat im Herbst 2025 somit nach 198 Jahren ihre Türen geschlossen. Als Andenken an diese Zeit ist die Ausstellung in dieser Vitrine entstanden.

Untersuchungsinstrumente
 

Die Sanduhr (1)  wurde genutzt um den Puls einer Patientin zu messen, auch Hebammen machen das zur Kontrolle regelmäßig. In einer Zeit ohne elektronische Geräte die den Puls von selber messen, war die Sanduhr das Mittel zur Wahl, um genau eine Minute den Puls fühlen zu können. Heute machen das in den meisten Fällen elektronische Messinstrumente, doch falls diese einmal ausfallen wäre die Sanduhr bis heute immer noch eine gute Möglichkeit, um zuverlässig den Puls bestimmen zu können.

Es gibt aber auch Instrumente die bis heute noch so genutzt werden, wie früher. Das Pinard-Hörrohr (2) zum Beispiel, damit lassen sich die Herztöne des ungeborenen Kindes hören. Es funktioniert ähnlich wie ein Stethoskop und ist meistens aus Holz gefertigt.

Der Ansaugkatheter (3) wurde genutzt, um Schleim im Mundraum des Kindes abzusaugen. Diese Art des Katheters, der aus Glas gefertigt wurde und zur mehrmaligen Verwendung ist, wird heute nicht mehr genutzt, doch wird eine Alternative aus Silikon, um dasselbe Ergebnis, Schleim oder Flüssigkeiten beim Patienten abzusaugen, zu erreichen genutzt. Einmalartikel, wie sie heute verwendet werden, sind hygienischer, doch hat auch die mehrfache Verwendung ihre Vorteile.

Heute ebenso nicht mehr in der Art und Weise genutzt, wird die Rekordspritze (4). Sie besteht aus einem Glaskolben und aufsteckbaren Kanülen. Auch diese Spritze ist wiederverwendbar und wurde nur gereinigt sowie sterilisiert. In der jetzigen Zeit wäre das Verwenden derselben Spritze mit verschiedenen Medikamenten, bei unterschiedlichen Patienten aus hygienischen Gründen undenkbar.

Weibliches Becken

Das weibliche Becken ist breiter und flacher, als das Becken eines Mannes, denn in einem weiblichen Becken muss für die Entwicklung eines Kindes Platz sein. In diesem Modell sind im Becken auch die Eierstöcke sowie der Uterus, auch Gebärmutter genannt, zu sehen. In der Gebärmutter wächst im Fall einer Schwangerschaft ein Kind heran. Während der Schwangerschaft dehnt sich der Uterus nach oben und zur Seite aus, teilweise bis zum Bauchnabel. Nach einer Schwangerschaft zieht sich dieses Organ wieder zurück. Wenn das Becken also mit einer fortgeschrittenen Schwangerschaft dargestellt wäre, dann würde die Gebärmutter einen viel größeren Platz im Becken ausfüllen. Das kann man an dem halben Schwangerschaftsbauchmodell sehen.

Serienempfehlungen

  • Call the midwife – eine englische Serie über Hebammen in den 50er und 60er Jahren
  • PUSH – eine deutsche Zdf Serie über die aktuelle Hebammenarbeit