Das Klinikum Stuttgart baut sein telemedizinisches Netzwerk in der Intensivmedizin aus. 17 Kliniken in Baden-Württemberg sind an das im Januar gestartete System bereits angeschlossen. Beim Aufbau des Netzwerks wird das Klinikum Stuttgart in großem Umfang von der Eva Mayr-Stihl Stiftung unterstützt.
mit der Gesundheitsreform werden den Kliniken im Land Fachbereiche und sogenannte Leistungsgruppen zugewiesen, für die sie besondere Qualifikationen, technische Ausstattung und fachliche Expertise nachweisen müssen. Ziel ist die Steigerung der Behandlungsqualität durch die höhere Erfahrung der verbleibenden Zentren. Durch die Zentrumsbildung werden auch wirtschaftliche Vorteile durch die Vermeidung von Doppelvorhaltungen mit geringer Auslastung erwartet. Kehrseite der Konzentration von Angeboten sind teils längere Distanzen zur Behandlung und das vollständige Fehlen von ehemals kleinen, unterkritischen Fachabteilugen in einigen Krankenhäusern.
Hier sind ausdrücklich Kooperationen zwischen den Krankenhäusern gefordert. Als Haus der Maximalversorgung mit mehr als 1.200 Ärztinnen und Ärzten verfügt das Klinikum Stuttgart über eine hohe Subspezialisierung in allen Bereichen der Intensivmedizin. Ziel des Telemedizin-Netzwerks ist es, besondere medizinische Kompetenz auch für andere Krankenhäuser verfügbar zu machen und so eine flächendeckende qualitativ hochwertige Versorgung zu fördern, die bevorzugt wohnortnah gesichert werden kann. In dem neu etablierten Netzwerk arbeitet das Klinikum Stuttgart kollegial mit den 17 Partnerkliniken und fördert den Austausch, Zweitmeinungen und wechselseitige fachärztliche Beratungen. Der Aufbau und insbesondere die Freistellung von Intensivmedizinerinnen und Intensivmedizinern für die telemedizinischen Leistungen wurde stark von der Eva Mayr-Stihl Stiftung gefördert.
Der Service startete Ende 2025 mit ausgewählten Häusern im Tagbetrieb. Seit Januar 2026 ist das Angebot rund um die Uhr verfügbar. Es sind derzeit 17 Krankenhäuser angeschlossen, von starken und selbständigen Intensivstationen bis zu kleineren Überwachungseinheiten. Damit gehört das Netzwerk zu den größten in Deutschland.
Einer der ersten Kooperationspartner des Netzwerks sind die medius KLINIKEN. Der kommunale Klinikverbund des Landkreises Esslingen sieht in der Zusammenarbeit einen wichtigen Baustein, um die intensivmedizinische Versorgung in der Region weiter zu stärken und gleichzeitig die Expertise verschiedener Häuser noch enger zu vernetzen. „Die Anforderungen an die Intensivmedizin werden zunehmend komplexer – sowohl medizinisch als auch strukturell. Gleichzeitig erwarten Patientinnen und Patienten zu Recht eine hochwertige Versorgung auf höchstem Niveau, möglichst wohnortnah. Durch die telemedizinische Zusammenarbeit mit dem Klinikum Stuttgart können unsere Teams in anspruchsvollen Situationen schnell und unkompliziert zusätzliche Expertise hinzuziehen. Das schafft zusätzliche Sicherheit für Patienten und Mitarbeitende gleichermaßen“, erklärt Dr. Jörg Sagasser, Geschäftsführer Medizin der medius KLINIKEN. Gerade als kreiseigene Kliniken mit mehreren Standorten im Landkreis Esslingen seien moderne, vernetzte Versorgungsstrukturen ein wichtiger Schritt, um die medizinische Qualität weiter auszubauen und die Versorgung in der Fläche nachhaltig zu sichern. „Das System hat sich bereits in ersten Fällen bewährt und zeigt, welches Potenzial in einer intelligenten digitalen Vernetzung von Kliniken steckt“, so Sagasser weiter.
Prof. Andreas Walther, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Klinikums Stuttgart hat den Aufbau des Netzwerks vorangetrieben. Er erklärt: „Mit diesem Ansatz sparen wir wertvolle Zeit. Ändert sich der Zustand eines Intensiv-Patienten im Partnerkrankenhaus, können wir sofort dazu geschaltet werden und gemeinsam beraten, welche Anpassungen der Therapie nötig sind oder ob eine Verlegung sinnvoll ist. Das gibt dem Team vor Ort Sicherheit.“ Die Partnerkliniken können einen von fünf Bereichen auswählen und direkt mit Spezialisten in Kontakt treten. Dazu gehören die Intensivmedizin, Herzchirurgie, Herz-Lungen-Versagen (ECMO), Schlaganfall und Anästhesiologie. Diese Subspezialisierung und schnelle direkte Interaktion ist in Deutschland einzigartig. Technisch können über extrem hochauflösende Kameras und flexible Einstellungen sowohl der Patient inspiziert als auch invasive Eingriffe aus der Ferne supervidiert und unterstützt werden.
Das Projekt wurde durch eine Förderung der Eva Mayr-Stihl Stiftung ermöglicht. In jüngster Zeit hat die Stiftung ihr Engagement neben der langjährigen Förderung des Stuttgart Cancer Center auf die Bereiche Künstliche Intelligenz und Telemedizin im Klinikum Stuttgart ausgeweitet. Stiftungsvorstand Robert Mayr erklärt: „Wie gut die medizinische Behandlung ist, darf in Deutschland nicht vom Wohnort abhängen. Mit der Telemedizin kommt Spitzenmedizin in die Fläche.“ Die Stiftung fördert Telemedizin auch in der Geburtshilfe. Das Klinikum Stuttgart mit Deutschlands größter Kinderklinik, dem Olgahospital, bietet den anderen Geburtskliniken in Stuttgart telemedizinische Unterstützung bei Notfällen an. Dafür wurden die Kreißsäle im Marienhospital und dem Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart mit hochauflösenden Kameras ausgestattet, über die Neonatologen aus dem Klinikum Stuttgart bei Bedarf zugeschaltet werden können, um kritische Situationen in der Erstversorgung von Neugeborenen zu begleiten.
Der Vorstand des Klinikums Stuttgart, Prof. Jan Steffen Jürgensen, ergänzt: „Kooperation und Vernetzung sind richtige Antworten auf die aktuellen Herausforderungen. Der Eva Mayr-Stihl Stiftung sind wir sehr dankbar für die großzügige Förderung, die die Versorgung verbessern wird.“
Klinikum Stuttgart
Das Klinikum Stuttgart umfasst das Katharinenhospital, das Krankenhaus Bad Cannstatt und Deutschlands größte Kinderklinik, das Olgahospital. Es ist das größte Haus der Maximalversorgung in Baden-Württemberg. 9.500 Mitarbeitende, darunter über 3.000 Pflegekräfte und über 1.200 Ärztinnen und Ärzte, versorgen jährlich rund 90.000 Patienten stationär und mehr als 600.000 ambulant, einschließlich 100.000 Notfällen. Mehr als 65.000 Operationen werden jedes Jahr im Klinikum Stuttgart betreut. Über 100 high-care Intensivbetten stehen für die Patientenversorgung im Haus zur Verfügung. Im Rahmen der Gesundheitsreform wurde dem Klinikum Stuttgart vom Land eine koordinierende Rolle für eine Gesundheitsregion mit ca. 2,8 Mio. Einwohnern in Baden-Württemberg übertragen.
Eva Mayr-Stihl Stiftung
Seit 2007 unterstützt die Stiftung das Klinikum Stuttgart mit über 40 Millionen Euro. Im Mittelpunkt der Förderung steht das Stuttgart Cancer Center – Tumorzentrum Eva Mayr-Stihl. Die Förderung ermöglicht den Einsatz exzellenter Medizintechnik, die Qualifizierung onkologischen Fachpersonals über Förderprogramme und Pflegestipendien, außergewöhnliche Angebote wie Patientenlotsen, Bewegungs- und Ernährungstherapeuten sowie starke psychosoziale Begleitung Erkrankter. Weitere Förderschwerpunkte im Klinikum Stuttgart sind das Robert Mayr Lungenzentrum, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die teleintensivmedizinische Vernetzung mit Partnereinrichtungen.
Die Eva Mayr-Stihl Stiftung ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Waiblingen. Sie wurde 1986 von Eva Mayr-Stihl und Robert Mayr gegründet. Schwerpunkte der Stiftungsarbeit sind Wissenschaft und Forschung, Medizin sowie Kunst und Kultur. Das Klinikum Stuttgart ist der größte Förderpartner.
Stefan Möbius
Pressesprecher
Klinikum Stuttgart
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