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Kunsttherapie

Kunsttherapie ist ein Angebot für unsere onkologischen Patient:innen und deren Angehörige. Kreative Arbeit und der Umgang mit unterschiedlichen Materialien kann sowohl zur Unterstützung in der Krankheitsverarbeitung, als auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Sinnliches Erleben, egal ob mit Farben oder im Plastizieren stärkt die eigene Körperwahrnehmung und ermöglicht dem Menschen mit sich in Kontakt treten zu können. Dabei werden Ressourcen gefördert, aktiviert oder gar neu entdeckt. Selbst aktiv zu sein lässt den Menschen im Therapiealltag wieder ein Stück weit Autonomie erfahren, und kann sich positiv auf Fatique auswirken. Den Fokus weg vom Schmerz, hin zur Gestaltung zu lenken kann neben einer emotionalen Ausgeglichenheit auch zu einer Reduzierung der Schmerzsymptomatik führen. Nähere Informationen über aktuelle Kurstermine entnehmen sie unseren Angeboten.

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“-Pablo Picasso

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ – Pablo Picasso

… und sie schenkt Freiheit – davon sind Barbara Hummler-Antoni und Sonja Schuberth überzeugt. Als erfahrene Kunsttherapeutinnen am Klinikum Stuttgart begleiten sie Krebspatientinnen- und Patienten sowie deren Angehörige auf ihrem Weg mit kunsttherapeutischen Angeboten. Dabei fördert die Kunsttherapie nicht nur die Körperwahrnehmung, sondern unterstützt Betroffene darin, wieder in Kontakt mit sich selbst zu treten, eigene Ressourcen zu entdecken und ihre Autonomie zurückzugewinnen.

Im Gespräch berichten die beiden Therapeutinnen, wie sie zur Kunsttherapie kamen, warum sie sich besonders der Unterstützung von Krebspatienten widmen und welche Wirkung die Kunst inmitten einer medizinischen Behandlung entfalten kann.

Wie sind Sie zur Kunsttherapie gekommen?
Sonja:
 Kunst, Psychologie und Medizin in einem Studienfach kombiniert: für mich die perfekte Mischung.
Barbara: Nach zweieinhalb Jahren Kunststudium merkte ich, dass hinter dem Bild viel mehr steckt, als man wahrnimmt. Das hat mich fasziniert.

Was hat Sie motiviert speziell mit Krebspatienten zu arbeiten?
Barbara:
Ich war 14 Jahre lang in einem Hospiz als Kunst- und Trauerbegleiterin beschäftigt, in dem vorwiegend Gäste mit Krebserkrankungen lebten.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag am Stuttgart Cancer Center – Tumorzentrum Eva Mayr-Stihl aus?  Welche Angebote gibt es am SCC im Bereich Kunsttherapie?
Sonja:
Meine Hauptaufgabe besteht in der aufsuchenden kunsttherapeutischen Einzelarbeit mit Menschen, die im Klinikum aufgrund ihrer Krebserkrankung behandelt werden. Die Kontakte kommen aufgrund von Konsilen, Anfragen oder Empfehlungen von Kollegen und Kolleginnen zustande. Außerdem biete ich Präsenzgruppen auf Station und im SCC-Kunstraum an (für ambulante und auch stationäre Patienten und deren Angehörige) und eine Online-Kunsttherapiegruppe für ambulante Patienten. Auch Einzelarbeit ist, nach Absprache, möglich.
Barbara: Im Bereich meines Arbeitsauftrages im SCC begleite ich das Projekt der neuroästhetischen Führungen nach dem Vermittlungsangebot in den Museen mit einer KunstKraftWerkstatt, zu der sich Teilnehmer und Teilnehmerinnen nach den Führungen anmelden können. Vereinzelt begleite ich Patienten und Angehörige, die nach ihrem Aufenthalt auf der Palliativeinheit weiterhin ambulant begleitet werden in der Tagesklinik und in Einzelkontakten.

Welche künstlerischen Methoden oder Materialien setzen Sie bevorzugt ein – und warum?
Sonja und Barbara:
Es gibt kein spezifisches Material, welches wir bevorzugt einsetzen. Im Vordergrund steht die Materialerfahrung und auch der Wunsch des Gegenübers und die individuelle Arbeit.

Gibt es bestimmte Themen, die in der Kunsttherapie bei Krebs immer wieder auftauchen?
Sonja und Barbara:
Unfassbarkeit, Sprachlosigkeit und Verstummen, Hilflosigkeit, Scham, Schuld, Familienkonflikte, Erstarrung, Entstellung, Autonomieverlust, aber auch Dankbarkeit, Würdeerhalt, Hoffnung. Gefühle, die man nicht immer direkt in Worten ausdrücken kann. Der kreative Impuls kann auch hierfür ein Mittel sein.

Was kann die Kunst, was kein Medikament vermag?
Sonja und Barbara:
Bei einer Krankheit, in der die Menschen sich nach dem Sinn des Lebens fragen und die Sinnlosigkeit in der Erkrankung sehen, kann über die Aktivierung der Sinne in der Kunsttherapie wieder Sinnhaftigkeit ins Leben kommen. Krebserkrankte Menschen gelangen über den Umgang mit den Materialien zu eigener Handlungskompetenz, gestalten ihr Bild so wie sie es möchten und vermögen. Kunst schenkt Freiheit.

Was beobachten Sie häufig bei Patienten und Patientinnen im Verlauf der Therapie?
Sonja:
Die Patienten fühlen sich wahrgenommen, ganz individuell angesprochen und genießen den Kontakt.
Barbara: Die Patienten nehmen z. B. wahr, dass wir neben den Materialien Zeit mitbringen und nicht selten werden Themen erörtert und in die Gestaltung gebracht, die sich aus der medizinischen Beratung/Behandlung ergeben und Fragen aufwerfen.

Ein Vorurteil gegenüber der Kunsttherapie mit dem Sie gerne einmal aufräumen möchten?
Sonja und Barbara:
Man muss malen können, Erfahrung mitbringen, alles wird sofort interpretiert und psychoanalytisch ausgewertet ... das sind die gängigsten Vorurteile. Wir können nur empfehlen: einfach mal austesten, ob es nicht doch eine Ausdrucksform sein kann die einem guttut.

Was macht die Kunsttherapie am SCC besonders?
Barbara und Sonja: Kunsttherapie gestaltet sich im SCC sehr flexibel bzgl. Einsatzmöglichkeiten, -Orte, -Angebote. Wir sind hier besonders dankbar für die nachhaltige und stete Unterstützung der Eva Mayr-Stihl Stiftung.

Über uns

Barbara Hummler-Antoni

Kunsttherapeutin

Barbara Hummler-Antoni

Telefon: 0711 278-42555

E-Mail: b.hummler@klinikum-stuttgart.de

Kunsttherapeutin

Sonja Schuberth

Telefon: 0711 278-54954

E-Mail: s.schuberth@klinikum-stuttgart.de

Unsere Angebote

Sie sind in stationärer Behandlung – in der Tagesklinik – oder haben einen Nachsorgetermin? Das kunsttherapeutische Angebot kann in allen Therapiephasen in Anspruch genommen werden. Gerne vereinbaren wir ein Treffen mit Ihnen und kommen bei Ihnen vorbei.

In einer offenen und wertschätzenden Atmosphäre kann sich gemeinsam kreativ ausgedrückt aber auch ausgetauscht werden. Nähere Informationen finden sie unter „aktuelle Termine“.

Aktuelle Termine unserer kunsttherapeutischen Gruppenangebote

Die Teilnahme an der Kunsttherapiegruppe ist zu jeder Zeit möglich. Die Gruppe wird geleitet durch Sonja Schuberth Dipl.-Kunsttherapeutin / FH.

Kontakt für Rückfragen: s.schuberth@klinikum-stuttgart.de

jetzt online anmelden

Unsere Angebote sind kostenfrei.
Das SCC freut sich über eine freiwillige Unterstützung in Form einer Spende, damit wir unsere Angebote weiter ausbauen können.

Die Teilnahme an der Kunsttherapiegruppe ist zu jeder Zeit möglich. Die Gruppe wird geleitet durch Sonja Schuberth Dipl.-Kunsttherapeutin / FH.

Kontakt für Rückfragen: s.schuberth@klinikum-stuttgart.de

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Das SCC freut sich über eine freiwillige Unterstützung in Form einer Spende, damit wir unsere Angebote weiter ausbauen können.

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Spendenkonto
BW Bank
IBAN: DE94 6005 0101 0002 0050 03
BIC: SOLADEST 600
Verwendungszweck: SCC

Soulflower: Über Kunst die nachwirkt
 

Manche Stimmen hallen weiter, selbst wenn ihr Echo leiser wird. Die Worte von Steffi, die in diesem Jahr an den Folgen einer Krebserkrankung verstarb, gehören dazu. In einem Kurzinterview, sprach sie offen darüber wie sie zwischen Pinselstrichen, Collagen und Skizzen nicht nur eine Möglichkeit fand, mit der Krankheit umzugehen, sondern auch sich selbst neu zu begegnen.

Mit der Veröffentlichung dieses Gesprächs möchten wir nicht nur Steffis Erfahrungen und Gedanken würdigen, sondern auch ein Licht auf die oft unterschätzte Kraft der kreativen Therapieformen werfen – und auf all jene, die mit Mut und Offenheit ihren Weg gehen.

 

Welche Bedeutung hat die Kunsttherapie für Dich?

„Die Kunsttherapie war für mich die Möglichkeit, nicht außen an mir herumzubasteln, sondern wirklich hinzukommen zu dem, was wir im Leben oft verdrängen: Wer bin ich eigentlich, wie fühle ich mich, welche Rolle ist wahrhaftig? Das sollte heute jeder machen, aber wir nehmen uns nicht die Zeit dafür. Für mich, die nie früher gemalt hatte, war das ein neues Fenster, um hineinzuschauen. Plötzlich taucht etwas auf, das mich anspricht und eine heilende Funktion hat.“

Was kann denn die Kunst leisten, was kein Medikament vermag?

„Medikamente sind wichtig, aber es fehlt oft das ‚bei mir Ankommen‘, ‚zu Hause sein‘, das Fühlen, wie es mir geht. Das kann kein Medikament leisten, dafür braucht es die Beschäftigung mit sich selbst. Für mich war die Kunsttherapie ideal, weil ich keine Wertung empfand. Es ging nicht darum, ein tolles Bild zu malen, sondern um einfache Gefühlsmomente.“

Was hast du in der Kunsttherapie über dich selbst gelernt?

„Ich lerne, dass es mich noch anders gibt. Niemals hätte ich gedacht, dass ich einen so starken Zugang finde. Beim Malen habe ich viel geweint, weil ich in Berührung kam mit vielen Fragen. Aber das war richtig. Man merkt, dass man etwas hat, das berührt. Es gibt auch Angst, das nicht zuzulassen, aber für mich war es wichtig, etwas auszusprechen oder auszumalen. So ist mir vieles klar geworden – wie mit meinem Seelengarten.“

Welchen Rat würdest du anderen Betroffenen für den Bereich Kunsttherapie mit auf den Weg geben?

„Sätze wie ‚Das kann ich nicht‘ sind Einschränkungen. Man darf nicht auf Perfektion warten, denn darum geht es nicht. Es geht darum, einen Zugang zu sich zu finden. Einfach Papier und Stifte holen, hinsetzen und neugierig sein. Es ist spannend zu entdecken, welche Bilder, Gefühle und Farben einem helfen. Es ist ein mutiger Schritt, in unserem perfektionistischen Leben etwas nicht perfekt zu machen.“

 

Im Leben und im Interview an Steffis Seite: Ihr Ehemann Fabian. So hat er die Kunsttherapie, Steffi und das Zusammenspiel zwischen Gestaltungsprozess und Nachwirken wahrgenommen:

 „Es ist ein Rückzug in eine eigene Blase, die die Außenwelt ausschließt und ganz auf sich selbst konzentriert ist. Dazu kommt spielerische Freude beim Ausprobieren. Diese Freude bleibt nach dem Prozess haften, wirkt ausgleichend und ist auf einer anderen Ebene als die Krankheit.“