Fußveränderungen

Standfest

„Rheuma zerstört die Gelenke, auch und oft mit gravierenden Aus-wirkungen an den Füßen“, berichtet Dr. Reize. Die Gelenkinnenhäute sind bei den Patienten immer wieder entzündet, der Bandapparat und die Gelenkkapseln werden in Mitleidenschaft gezogen. Schließlich kommt es zu Fehlstellungen der Zehen.

„Mit speziellen Einlagen lassen sich die Fußveränderungen oft präventiv aufhalten. Im weiteren Verlauf können Schuhzurichtungen die Gelenke entlasten“, sagt Dr. Reize. Gegen Fehlstellungen werden zunächst Orthesen eingesetzt, die den Fuß von außen stabilisieren.
„Im Rahmen kleinerer Eingriffe können wir zusätzlich Entzündungsgewebe entfernen und so die rheumatische Gelenkzerstörung verlangsamen.“ Bei fortgeschrittener Erkrankung setzen die Ärzte schließlich die gesamte Bandbreite der Fußchirurgie ein, um den Fuß zu stabilisieren, Fehlstellungen zu korrigieren, Gelenke zu versteifen oder auch ein künstliches Gelenk zu implantieren. „Für rheumatische Fußveränderungen stehen uns inzwischen eine ganze Reihe spezieller Operationstechniken zur Verfügung“, sagt Dr. Reize.

Diabetiker sind häufig betroffen

Betroffen vom Diabetischen Fußsyndrom sind vor allem Typ 2-Diabetiker. Die Krankheitsproblematik ist  hier äußerst komplex und sollte stets interdisziplinär behandelt werden. Aufgrund von Durchblutungsstörungen und Neuropathie verheilen selbst kleine Wunden an den Füßen nur sehr schwer. So können sich tiefe Hautgeschwüre bilden, die schließlich zu Schädigungen von Gelenkkapseln, Sehnen und Knochen führen. „Unsere Aufgabe ist es dann, oft zunächst in Zusammenarbeit mit den Diabetologen, abgestorbenes Gewebe zu entfernen, beschädigte Sehnen zu versorgen oder Knochenvorsprünge zu beseitigen und nicht zuletzt auch größere Wunden zu überdecken“, berichtet der Orthopäde Dr. Reize.
Ziel der Ärzte im Interdisziplinären Diabetischen Fuß-Zentrum (InDiZ) im Krankenhaus Bad Cannstatt ist es, Amputationen möglichst zu vermeiden.
Wenn jedoch Wunden infiziert, die Gefäßsituation eingeschränkt und womöglich auch der Knochen selbst infiziert ist, ist oft die Am-putation einzelner Zehen oder Fußbestandteile unumgänglich. Bei fortschreitender Erkrankung kann auch die Amputation des Unter-schenkels oder sogar des Oberschenkels nötig werden. „Diese großen Amputationen jedoch lassen sich vermeiden, wenn das Diabetische Fußsyndrom rechtzeitig und konsequent im interdisziplinären Fuß-Zentrum behandelt wird.“

Nervenschädigung als Ursache für den „Charcot-Fuß“

Eine weitere Folgeerkrankung des Diabetes ist der sogenannte Charcot-Fuß. Aufgrund einer Nervenschädigung kommt es bei dieser neuropathischen Erkrankung zur Zerstörung von Knochen und Gelenken im Fußbereich. Betroffen sind oft jüngere Patienten zwischen 40 und 60 Jahren, die Fußveränderungen meist erst spät bemerken, weil sie aufgrund der Nervenschäden zunächst keine Schmerzen verursachen. Auch hier kann durch Ruhigstellung und konservative Behandlung die Erkrankung aufgehalten werden. Unter Umständen müssen aber auch hier die Orthopäden den Fuß mit Schrauben und Platten oder künstlichen Gelenken wieder stabilisieren.

Interdisziplinärer Austausch

Besprochen wird das Behandlungskonzept sowohl für Patienten mit rheumatischen als auch mit diabetischen Fußveränderungen meist in der Fußsprechstunde, die die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie zusammen mit den Orthopädietechnikern jeden Dienstag und Donnerstag von 14.00 bis 16.00 Uhr anbietet. Hier werden auch gleich die nötigen Hilfsmittel, wie Einlagen oder Schuhzurichtungen, angepasst. Ergänzend wird auch eine spezielle und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft zertifizierte Fußsprechstunde im MVZ am Krankenhaus Bad Cannstatt durch die Diabetologen angeboten.

Nach einer Operation müssen sich die Patienten meist eine Weile mit Unterarmgehstützen fortbewegen, um den operierten Fuß zu schonen. Hier könnte künftig der ORTHOSCOOT NH1 für größere Mobilität sorgen. Dr. Reize jedenfalls war mit dem orthopädische Roller bei einer Probefahrt auf den Klinikfluren unterwegs. Mit dem zu schonenden Bein auf dem ORTHOSCOOT kniend und dem anderen Bein wie beim Roller antreibend, rollt der orthopädische Roller sehr leicht und lässt sich problemlos lenken. Eine zupackende Scheibenbremse am Hinterrad sorgt für sicheres Bremsen. Der ORTHOSCOOT ist sehr wendig, er kann auch in Wohnung und Büro eingesetzt werden und erleichtert hier z.B. Tätigkeiten im Stehen.




Krankenhaus Bad Cannstatt

Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Ärztlicher Direktor Dr. Patrik Reize
Telefon 0711 278-63001
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