Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Wirbelsäule / Wirbelsäulenzentrum der Maximalversorgung DWG

Ärztliche Direktoren

Professor Dr. Christian Knop (rechts im Bild)
Telefon: 0711 278-33501
Telefax: 0711 278-33509
E-Mail: c.knop@klinikum-stuttgart.de

Dr. Patrik Reize (links im Bild)
Telefon: 0711 278-63001
Telefax: 0711 278-63002
E-Mail: p.reize@klinikum-stuttgart.de

Bereichsleiter

W. Grünwald

W. Grünwald
Oberarzt

E-Mail: w.gruenwald@klinikum-stuttgart.de

Stellvertretender Bereichsleiter

Dr. S. Pöhlmann
Oberärztin

E-Mail: s.poehlmann@klinikum-stuttgart.de

Dr. D. Kaiser
Oberarzt

E-Mail: d.kaiser@klinikum-stuttgart.de

Zu den Schwerpunkten der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie zählt die Behandlung von Verletzungen und Verletzungsfolgen sowie Erkrankungen der Wirbelsäule. Im überregionalen Traumazentrum für Stuttgart und die Region können Unfallverletzte mit Verletzungen der Wirbelsäule jederzeit und notfallmäßig behandelt werden.

Die Wirbelsäule ist das Gerüst, die senkrechte Hauptachse unseres knöchernen Skelettes. Sie verbindet die Körperteile Kopf, Brustkorb, Becken, Arme und Beine miteinander. Die Wirbelsäule erlaubt uns eine enorme Beweglichkeit in allen Richtungen. Um das zu ermöglichen besteht die Wirbelsäule aus 24 Wirbeln mit 23 dazwischen liegenden Bandscheiben. Zudem stabilisieren zahlreiche Bänder die Wirbelsäule, so dass sie in der Lage ist, einen Großteil unseres Körpergewichtes zu tragen und auf die Beine zu verteilen. Oben ist die Wirbelsäule dünner als unten, außerdem ist sie in einer „Doppel-S-Form“ mehrfach gebogen. Damit ist die Wirbelsäule besser in der Lage, Stöße abzufedern.

Gegliedert ist die Wirbelsäule in drei Hauptbereiche: die Halswirbelsäule mit sieben Wirbeln, die Brustwirbelsäule mit zwölf Wirbeln und die Lendenwirbelsäule mit fünf Wirbeln. Neben diesem beweglichen Teil der Wirbelsäule werden oft auch noch das Kreuzbein und das Steißbein, die aus zusammengewachsenen Wirbeln bestehen, der Wirbelsäule zugerechnet.

Die Behandlung von Verletzungen und Verletzungsfolgen sowie Erkrankungen der Wirbelsäule bildet einen wichtigen medizinischen Schwerpunkt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im Katharinenhospital. Dazu steht uns ein breites Spektrum konservativer, nicht-operativer Behandlungsoptionen zur Verfügung. Wann immer möglich und sinnvoll setzen wir bei Operationen an der Wirbelsäule patientenschonende minimalinvasive Verfahren ein. Daneben verfügen wir über Erfahrungen mit allen etablierten offenchirurgischen Operationsverfahren. In den vergangenen Jahren wurden dazu immer bessere Operationstechniken und Implantate entwickelt, die die Möglichkeiten und nachhaltigen Behandlungserfolge der operativen Wirbelsäulentherapie deutlich erweitert haben.

Um ein optimales Operationsergebnis zu erzielen, werden die Eingriffe mit einer speziellen Planungs-Software zunächst am Computer simuliert und vorbereitet. Während der Operation unterstützen Live-Röntgen und Navigationssysteme den Operateur zum Beispiel beim optimalen Ausrichten die Knochen stabilisierender Platten und Schrauben.

Im überregionalen Traumazentrum für Stuttgart und die Region können Unfallverletzte mit Verletzungen der Wirbelsäule jederzeit und notfallmäßig behandelt werden. Instabilität, Fehlstellung und eine zusätzliche Verletzung von Rückenmark oder Nervengewebe erfordern die rasche, gezielte und hochspezialisierte Behandlung. Für die Stabilisierung der Wirbelsäule in den normalen Achs- und Krümmungsverhältnissen stehen uns modernste Behandlungsmethoden und Medizintechnik zur Verfügung. Damit erreichen wir auch bei Verletzungen des Rückenmarkes und von Nervengewebe im Rahmen von Notfall-Operationen bestmögliche Erholungschancen.

Daneben werden in unserer Klinik auch alters- und abnützungsbedingte („degenerative“) Veränderungen der Wirbelsäule sowie Tumorerkrankungen und Infektionen an der Wirbelsäule  von unseren Spezialisten behandelt.

Im Stuttgart Spine Center, dem interdisziplinären Wirbelsäulenzentrum des Klinikum Stuttgart, arbeiten wir überdies eng mit der Neurochirurgischen Klinik am Katharinenhospital und der Klinik für Kinderorthopädie im Olgahospital zusammen.

Osteoporotische Wirbelbrüche

Im Verlauf einer fortgeschrittenen Osteoporose kann es schon bei leichten Belastungen oder auch spontan, ohne äußeren Anlass zu Wirbelbrüchen kommen. Für die Betroffenen sind die Wirbelbrüche häufig mit starken Schmerzen verbunden. Um weitere Schäden an der Wirbelsäule zu verhindern, muss der Wirbel aufgerichtet und stabilisiert werden. Dies ist in vielen Fällen minimalinvasiv durch eine Vertebroplastie oder eine Kyphoplastie möglich.

Bei der Vertebroplastie wird durch eine Hohlnadel Knochenzement in den zerstörte Wirbel eingespritzt. Durch die Körperwärme härtet der Zement innerhalb kurzer Zeit aus und der gebrochene Wirbel ist wieder stabil. Eine Weiterentwicklung ist die Kyphoplastie. Hier wird zunächst mit einem Ballon der Wirbelkörper aufgerichtet. Anschließend wird der Ballon wieder entfern,  der entstandene Raum mit Knochenzement gefüllt und der Wirbel so in der aufgerichteten Position stabilisiert. Die Ballon-Kyphoplastie hat zudem den Vorteil, dass sich das Knochenzement, viel weniger als bei der Vertebroplastie, über die zu behandelnde Stelle hinaus ausbreiten oder sogar in die Blutbahn gelangen kann. Beide Verfahren werden seit vielen Jahren in der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im Katharinenhospital mit großem Erfolg angewandt. Die Patienten sind meist direkt nach der Behandlung weitgehend schmerzfrei.

Akute Querschnittlähmung

Auslöser einer akuten Querschnittlähmung ist oft eine Verletzung der Wirbelsäule mit Einengung des Spinalkanals, meist im Bereich der Hals- oder Brustwirbelsäule. Ist keine Verletzung die Ursache können Raumforderungen durch Tumore, Metastasen oder eitrige Abzesse den Spinalkanal verengen und zu einer Querschnittlähmung führen. Der wachsende Tumor oder die zunehmende Eiterbildung eines Abzesses führt in vielen Fällen zu einer langsamen, schleichenden Einengung des Rückenmarkskanals, zunächst mit Schmerzen und Nervenausfällen zum Beispiel in den Beinen, die immer stärker werden.

Der Tumor kann aber auch dazu führen, dass der Wirbelkörper plötzlich zusammenbricht, so dass es akut zu einer Querschnittlähmung kommt, die als medizinischer Notfall schnellstmöglich, in der Regel operativ behandelt werden muss, um Folgeschäden bis hin zu einer dauerhaften Querschnittlähmung zu verhindern. Der Knochentumor oder die Metastase, die die Raumforderung verursachen, werden operativ entfernt oder zumindest soweit reduziert, dass sie nicht mehr auf den Rückenmark drückt. Ebenso werden auch eitrige Abszesse entfernt.

Anschließend muss der Wirbelsäulenabschnitt stabilisiert werden, dies geschieht in der Regel durch ein Schrauben-Stab-System, Fixateur interne.  Der durch den Tumor angegriffene Wirbelkörper kann zusätzlich mit Knochenzement im Rahmen einer Vertebroplastie oder einer Kyphoplastie, wie bei oesteoporotischen Wirbelbrüchen,  stabilisiert werden. In vielen Fällen operieren wir bei diesen Eingriffe gemeinsam mit den neurochirurgischen Kollegen. Die gebündelte Expertise des Unfallchirurgen und des Neurochirurgen sorgen so für optimale Behandlungsergebnisse.

Instabilitäten und Deformitäten

Nicht immer müssen Verletzungen der Wirbelsäule im Rahmen einer Operation behandelt werden. Wenn jedoch die Verletzung nicht richtig verheilt oder - obwohl eigentlich angezeigt – nicht oder unzureichend chirurgisch behandelt wurde, kann es zu Instabilitäten und Deformitäten der Wirbelsäule kommen. Auch durch Schäden an den Bandscheiben oder altersbedingte Abnutzungserscheinungen, sogenannte degenerative Veränderungen, kann sich die Wirbelsäule verformen oder instabil werden. Dadurch kann es zu einer Verengung des Rückenmarkskanals (Spinalkanalstenose) oder zu Druck auf die Nervenbahnen kommen, die zwischen den Wirbelkörpern austreten. Spätestens dann machen sich die Schäden an der Wirbelsäule durch Rückenschmerzen bemerkbar oder auch durch Ausfallerscheinungen und Schmerzen in den Bereichen des Körpers, die von den eingeengten Nerven versorgt werden.

Führen degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule zu neurologischen Ausfallerscheinungen, wie Taubheit, Schmerzen oder Einschränkungen der Beweglichkeit, die sich durch konservative Therapien nicht lindern lassen, kann auch hier eine Operation angezeigt sein. Ziel ist es dabei, durch eine Achsenkorrektur und Stabilisierung des betroffenen Bereichs der Wirbelsäule die Schmerzen zu reduzieren und die eingeengten Nervenbahnen zu entlasten. In komplizierten Fällen operieren wir bei diesen Eingriffe gemeinsam mit den neurochirurgischen Kollegen. Die gebündelte Expertise des Unfallchirurgen und des Neurochirurgen sorgen so für optimale Behandlungsergebnisse.

Entzündliche und infektiöse Wirbelsäulenerkrankungen

Erkrankungen der Wirbelsäule können auch durch Entzündungen oder Infektionen hervorgerufen werden. Auslöser können Viren und Bakterien, insbesondere das Tuberkulosebakterium sein. Bei der tuberkulösen Entzündung (Spondylitis tuberculosa) haben die Betroffenen oft schon vor längerer Zeit eine Tuberkulose-Erstinfektion der Lunge gehabt. Die Erreger sind dann aus der Lunge in die Wirbelknochen gelangt, wo sie die akute Infektion ausgelöst haben. Häufig ist von der tuberkulösen

Wirbelsäulenerkrankung die Lendenwirbelsäule betroffen.
Bekanntestes Beispiel einer entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung ist der Morbus Bechterew, medizinisch Spondylitis ankylosans genannt. Diese entzündlich-rheumatische Erkrankung führt im Verlauf zu einer fortschreitenden Versteifung der Wirbelsäule.

Entzündliche und infektiöse Wirbelsäulenerkrankungen werden vorwiegend konservativ, also nicht-operativ behandelt. Neben Antibiotika, entzündungshemmenden und Schmerzmedikamenten übernimmt dabei die Physiotherapie eine wichtige Rolle. Beim Morbus Bechterew in weit fortgeschrittenem Stadium kann auch eine Operation in Frage kommen. Ziel des Eingriffs ist es, die Mobilität zu verbessern, indem man  die Wirbelsäule, die durch die Versteifung immer krummer wird, wieder aufzurichten.

Tumore und Metastasen an der Wirbelsäule

Primäre Knochentumore oder Absiedlungen, sogenannte Metastasen, von anderen Krebsarten, wie Brust- oder Prostatakrebs, finden sich nicht selten an der Wirbelsäule. Hier zerstören sie einerseits das knöcherne Gerüst der Wirbel und sorgen durch Botenstoffe für Entzündungsreaktionen. Andererseits benötigen sie Platz, die Ärzte sprechen von Raumforderung, und können so auch auf das Rückenmark drücken.

Oftmals werden Knochentumor oder Metastasen an der Wirbelsäule lange Zeit nicht bemerkt, weil sie zunächst keine Symptome verursachen. Treten erste Schmerzsymptome auf, werden die oft erst anderen Ursachen zugerechnet. So können Schmerzen im Nacken auf Metastasen in der Hals- und oberen Brustwirbelsäule zurückzuführen sein. Metastasen der Lendenwirbelsäule können Kreuzschmerzen im unteren Rückenbereich verursachen. Metastasen des Kreuzbeins lösen Schmerzen im tiefen Bereich des Rückens und am Becken aus. In den meisten Fällen jedoch haben diese Schmerzen tatsächlich andere, weniger gravierende Ursachen. Deshalb werden meist zunächst die naheliegenden Schmerzursachen untersucht.

Wenn der Tumor oder eine Knochenmetastase auf das Rückmarkt drückt, äußert sich das meist durch mehr oder minder gravierende Ausfallerscheinungen, etwa in Armen oder Beinen.
Metastasen oder Knochentumore an der Wirbelsäule müssen in der Regel operativ entfernt oder zumindest soweit reduziert werden, dass sie nicht mehr auf den Spinalkanal drücken. Anschließend muss der durch den Tumor angegriffene Wirbelkörper meist stabilisiert werden. Das kann mit Knochenzement im Rahmen einer Vertebroplastie oder einer Kyphoplastie, wie bei oesteoporotischen Wirbelbrüchen, geschehen oder auch durch eine Versteifung zweier Wirbelkörper. In vielen Fällen operieren wir bei diesen Eingriffe gemeinsam mit den neurochirurgischen Kollegen. Die gebündelte Expertise des Unfallchirurgen und des Neurochirurgen sorgen so für optimale Behandlungsergebnisse. An die Operation des Tumors oder der Metastase schließt sich meist eine gezielte strahlentherapeutische Behandlung an.