#pflege

"Meine zweite Familie im OP"

Chirurgen und Anästhesisten benötigen im OP die Unterstützung von spezialisierten Fachkräften wie Melanie Fendt, Helen Denieffe und Michael Volz. Sie erzählen, warum ihr Beruf so spannend ist und wie ihre Ausbildung am Klinikum Stuttgart ablief.

OTAs: Fachleute am Instrumententisch „Das erste Mal im Operationssaal – das war als würde man eine neue Welt betreten“, erinnert sich Melanie Fendt, Operationstechnische Assistentin (OTA) in der Allgemein-, Gefäß- und Neurochirurgie im Katharinenhospital am Klinikum Stuttgart. Patientendaten prüfen, die grüne OPKleidung anziehen, steril einwaschen, Instrumente und Geräte für die Operation vorbereiten, dann dem Chirurgen während der Operation mit ruhiger Hand assistieren und dabei den Patienten stets im Auge behalten: Die Abläufe rund um eine OP sind der 23-jährigen Operationstechnischen Assistentin heute, nach drei Ausbildungsjahren und einem Berufsjahr, wohl vertraut. „Am Anfang habe ich nur zugeschaut. Nach und nach bekam ich mehr Aufgaben zugeteilt und wurde selbstständiger. Heute verteile ich die Aufgaben und lerne die Neuen an.“

Im OP zählen Teamwork und Kommunikation

Im OP arbeiten Chirurgen, Anästhesisten, Anästhesietechnische Assistenten (ATA) und OTAs Hand in Hand. Damit eine Operation gelingt, ist es nicht nur wichtig, dass jeder seinen Aufgabenbereich beherrscht, sondern auch dass das Team optimal zusammenarbeitet. Worauf es ankommt? „Die Augen und Ohren in alle Richtungen offen zu haben und gut zu kommunizieren“, hat Melanie Fendt erfahren. „Besonders in kritischen Situationen muss einer das Zepter in die Hand nehmen und klare Anweisungen geben. Da klingt der Ton auch mal schroff, aber das liegt nur an der extremen Konzentration. Hinterher sind wir als Team stolz, dass wir die Situation gemeinsam bewältigt haben.“

Die Arbeitsatmosphäre in ihrem OP sei angenehm, findet Melanie Fendt, die ihre engsten Kollegen sogar als „zweite Familie“ bezeichnet: „Man verbringt viel Zeit miteinander, da ist es wichtig, dass es menschlich passt.“ Bereitschaftsdienste, Wochenendschichten – OTA ist kein Nineto-five-Bürojob. Trotzdem ist Melanie Fendts Faszination für die Arbeit im OP heute noch genauso groß wie am ersten Tag: „Ich bin direkt am medizinischen Geschehen und kann vieles bewirken. Das packt einen!“

Auszubildende erwerben theoretisches Wissen und praktische Erfahrung

Auch Helen Denieffe, die kurz vor dem Abschluss ihrer OTA-Ausbildung steht, hat ihren Traumjob gefunden: „Jeder Tag im OP ist anders, kein Patient ist wie der andere.“ Nach dem Abitur hat Helen Denieffe verschiedene Praktika im Krankenhaus absolviert. „Für die OTA-Ausbildung habe ich mich dann entschieden, weil mir die Kombination aus Technik und menschlichem Faktor gefiel.“

Die Ausbildung begann für Helen Denieffe mit einem mehrwöchigen Einführungsseminar. Das „Einschleusen“, also die Vorbereitung auf den OP unter absolut hygienischen Bedingungen und der Umgang mit den Patienten standen auf dem Trainingsplan. Die Auszubildenden lernten die unterschiedlichen Instrumente und die Grundtechniken des Instrumentierens kennen und wurden mit Hygienemaßnahmen vertraut gemacht.

Nach dem Einführungsblock wechselten sich theoretische und praktische Phasen ab. „Ich habe während der Ausbildung in vielen verschiedenen Bereichen mitgearbeitet: Neben der Chirurgie waren das zum Beispiel Pflege, Anästhesie, Endoskopie, Zentralsterilisation und Notaufnahme“, erzählt Helen Denieffe. Langweilig wurde es nie.

Auch die Theoriephasen, die am Stuttgarter Standort der OTA-Schule Reutlingen stattfanden, waren vielfältig. Auf dem Stundenplan standen medizinische Fächer wie Anatomie und Arzneimittellehre, aber auch Themen wie Kommunikation, Teamwork oder rechtliche Rahmenbedingungen. „Der Unterricht war anspruchsvoll, besonders die Anatomie. Aber die Lernerei hat sich gelohnt“, lautet Helen Denieffes Fazit zu ihrer Ausbildung. Nach ihrer Abschlussprüfung plant sie, weiter am Klinikum Stuttgart zu arbeiten.

Kurz erklärt: Ausbildung zur OTA

Ausbildung Operationstechnische / r Assistent / in (OTA)

  • Was macht ein / e OTA?
    Dem Chirurgen während der Operation assistieren, den OP-Saal vorbereiten (z. B. Richten von Instrumenten und Geräten), Arbeitsabläufe im OP koordinieren und planen, Patientenbetreuung, Dokumentation
  • Dauer / Ablauf
    3 Jahre / Theorie- und Praxisblöcke im Wechsel
  • Voraussetzungen
    Abitur oder Mittlerer Bildungsabschluss oder Hauptschulabschluss + abgeschlossene zweijährige Berufsausbildung
  • Lerninhalte (Theorie)
    • Berufsfachkunde
    • Anatomie / Physiologie
    • Arzneimittellehre
    • Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde •
    • Chirurgie
    • Hygiene, medizinische Mikrobiologie
    • Krankheitslehre
    • Krankenhausbetriebslehre
    • Physik,  Chemie
    • Psychologie und Soziologie
    • Sozialmedizin
    • Strahlenschutz
    • Lehr- / Lernmethodik, Anleitung Praxisblöcke Pflicht: Viszerale Chirurgie
    • Traumatologie / Orthopädie
    • Gynäkologie oder Urologie
    • fakultativ: Gefäßchirurgie
    • Augenchirurgie
    • Plastische Chirurgie
    • HNO
    • Thoraxchirurgie
    • Neurochirurgie
    • Ambulanz / Notfallaufnahme
    • Zentralsterilisation
    • Endoskopie
    • Pflegepraktikum
    • Anästhesie
  • Weitere Infos
    akademie.klinikum-stuttgart.de/ausbildungund-studium/operationstechnischer-assistentin/

ATAs sind die Narkose-Experten

Auch der Anästhesietechnische Assistent (ATA) Michael Volz ist dem Klinikum Stuttgart nach seiner Ausbildung treu geblieben: Er arbeitet seit zwei Jahren in der Kinderchirurgie im Olgahospital und steht täglich im Operationssaal. „Ich sorge dafür, dass alle für die Narkose benötigten Medikamente und Instrumente im OP bereitstehen. Außerdem betreue ich die Patienten in der Betäubungsphase und verantworte während der OP gemeinsam mit dem Anästhesisten das Narkosemanagement“, erzählt der 33-Jährige, der vor seiner ATA-Ausbildung zehn Jahre im Rettungsdienst gearbeitet hat.

Seine Erfahrung mit Notfallpatienten kommt ihm auch als ATA zugute. Denn auch während einer Operation können ernste Zwischenfälle eintreten: Eine allergische Reaktion oder eine Reanimation zum Beispiel. Wie geht man damit um, wenn es plötzlich um Leben und Tod geht? „Wie man als OP-Team unter Stress effektiv zusammenarbeitet, muss man trainieren. In unserer Ausbildung standen dafür spezielle, realitätsnahe Notfallsimulationen auf dem Lehrplan“, berichtet er.

Beide Ausbildungen, ob anästhesietechnisch oder operationstechnisch, haben große Parallelen: Theorie und Praxisphasen wechseln sich ab, die Auszubildenden lernen unterschiedliche Bereiche im Klinikum Stuttgart kennen.

Für Michael Volz stand früh fest, wo er nach der Ausbildung hinwollte: „Die Kinderanästhesie fand ich schon immer spannend. Die Anforderungen an die Narkose sind sehr speziell und natürlich sind auch die Patienten besonders. Für die Kinder bin ich als ATA in der Betäubungsphase eine wichtige Bezugsperson und versuche, sie möglichst angstfrei in die Narkose zu begleiten.“ Wie das gelingt? „Indem ich ruhig auftrete, offen mit ihnen rede und ihre Fragen beantworte. Es hilft außerdem, wenn man auch mal Spaß macht“, sagt Michael Volz augenzwinkernd.

Kurz erklärt: Ausbildung zur ATA

Ausbildung Anästhesietechnische / r Assistent / in (ATA)

  • Was macht ein / e ATA?
    Den Patienten für die OP vorbereiten (z. B. an Überwachungsgeräte anschließen, Geräte, Medikamente und Material vorbereiten, Narkosegeräte überprüfen), dem Anästhesisten bei der Einleitung, Durchführung und Ausleitung der Narkose assistieren, den Patienten während  der Aufwachphase nach der OP überwachen, Nach- und Aufbereiten der Geräte und Materialien, Patienten im Schmerzdienst betreuen
  • Dauer / Ablauf
    3 Jahre / Theorie- und Praxisblöcke im Wechsel
  • Voraussetzungen
    Abitur oder Mittlerer Bildungsabschluss oder Hauptschulabschluss + abgeschlossene zweijährige Berufsausbildung. Zusätzlich: Praxiserfahrung im Gesundheitsbereich (z. B. Ausbildung, FSJ / Bufdi, Praktikum)
  • Lerninhalte (Theorie)
    • Anatomie / Physiologie
    • Pathologie
    • Pharmakologie
    • Anästhesie
    • Physik, Chemie
    • Hygiene, Mikrobiologie
    • Psychologie und Soziologie
    • Sozialmedizin
    • Strahlenschutz
    • Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde
    • Lern- und Lehrmethodik, Anleitung, e-Learning
    • Krankenhausbetriebslehre
    • Krankenpflege Praxisblöcke Viszeral- und Thoraxchirurgie
    • Orthopädie / Unfallchirurgie
    • Gynäkologie
    • Urologie
    • Gefäßchirurgie
    • Neurochirurgie
    • Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
    • Augenchirurgie
    • Hals-Nasen-Ohrenchirurgie
    • Pädiatrie
    • Aufwachraum
    • Diagnostische und Interventionsbereiche
    • Schockraum
    • Pflegepraktika
    • Intensivstation
    • Springerpraktikum im OP
    • Endoskopie
    • Zentralsterilisation
    • Notaufnahme
  • Weitere Infos
    akademie.klinikum-stuttgart.de/ausbildungund-studium/anaesthesietechnischer-assistentin/