Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Rheumaorthopädie

Ärztliche Direktoren

Professor Dr. Christian Knop (rechts im Bild)
Telefon: 0711 278-33501
Telefax: 0711 278-33509
E-Mail: c.knop@klinikum-stuttgart.de

Dr. Patrik Reize (links im Bild)
Telefon: 0711 278-63001
Telefax: 0711 278-63002
E-Mail: p.reize@klinikum-stuttgart.de

Bereichsleiter

Dr. Patrik Reize
Ärztlicher Direktor

Telefon: 0711 278-63001
Telefax: 0711 278-63002
E-Mail: p.reize@klinikum-stuttgart.de

Stellvertretender Bereichsleiter

Dr. T. P. Merkle

Dr. T. P. Merkle
Oberarzt

E-Mail: t.merkle@klinikum-stuttgart.de

Unter dem Begriff „Rheuma“ handelt sich um einen Sammelbegriff für viele, zum Teil sehr unterschiedliche Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats. Häufig werden rheumatoide Arthritis (Gelenkentzündung) und Arthrose (Gelenkverschleiß) verwechselt oder gleichgesetzt. Dabei handelt es sich jedoch um zwei verschiedene Erkrankungen. Im Gegensatz zu der bei den degenerativen Erkrankungen (Arthrose) im Mittelpunkt stehenden Knorpelzelle (Chondrozyt), ist es bei der rheumatoiden Arthritis (RA) die Synovialzelle (Synoviozyt). Entzündungen bei RA greifen die Gelenkstruktur an und sind auch bei weiteren Organen mit Synovialisauskleidung präsent. Hier u.a. Augen, Haut, Herz, Nieren, Lunge und Darm.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen erfordern eine interdisziplinäre ganzheitliche Behandlung in Kooperation von internistischen und orthopädischen Rheumatologie. Weiterhin sind viele weitere Fachgebiete, wie Physio- und Ergotherapie, Reha-Einrichtungen, Orthopädietechnik, Psychologie und Sozialmedizin beteiligt. Patientenverbände (z. B. die Deutsche Rheuma-Liga und die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V.) und Angehörige spielen eine große Rolle in der Behandlung der Erkrankung des entzündlich-rheumatischen Formenkreis.

Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie ist spezialisiert auf die Behandlung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. In enger Zusammenarbeit mit Selbsthilfeverbänden wie der Rheumaliga, niedergelassenen internistischen und orthopädischen Rheumatologen, spezialisierten Reha-Einrichtungen und Physiotherapeuten sowie weiteren Spezialisten behandeln Chefarzt Dr. Reize und Oberarzt Dr. Merkle eine Vielzahl von Patienten mit entzündlichen und degenerativen Veränderungen der Gelenke. Dr. Reize ist außerdem Leiter der Arbeitsgemeinschaft Stuttgart der Rheumaliga Baden-Württemberg e.V. Die Selbsthilfegemeinschaft vertritt die Interessen rheumakranker Menschen.

Operative Verfahren bei entzündlich-rheumatologischen Systemerkrankungen

Die Prognose der rheumatoiden Arthritis hat sich in der letzten Zeit durch Einsatz neuerer Medikamente und standardisierter Therapien deutlich gebessert. Das Ziel der Therapie ist dem Betroffenen eine möglichst normale Lebensqualität zu bieten, auch wenn eine Heilung der Erkrankung nicht möglich ist. Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine destruktive Erkrankung. Kennzeichen ist eine progrediente Zerstörung der intra- und periartikulären Strukturen durch die entzündlichen Proliferationen des Gelenks und der umliegenden Weichteile. Sonographie und Schnittbildverfahren ermöglichen frühzeitig die Diagnosestellung bevor erste radiologische Destruktionen erkennbar werden. Zusammen mit der Bildgebung und den Symptomen helfen spezielle Laborparameter um die Diagnose „Rheuma“ einordnen zu können.

Je nach Schweregrad des rheumatischen Gelenks unterscheiden wir zwischen gelenkerhaltenden und gelenkersetzenden Operationsverfahren. Die Wahl des Operationsverfahrens orientiert sich am aktuellen Schweregrad, dem zu erwartenden Spontanverlauf sowie dem Ausmaß der gelenkumgebenden Weichteilzerstörung. In den niedrigen Stadien der Erkrankung sind gelenkerhaltende Operationsverfahren sinnvoll, in höheren Stadien werden gelenkersetzende Operationsverfahren eingesetzt. Mit Einführung der arthroskopischen Technik konnte die Durchführung der gelenkerhaltenden Synovektomie deutlich verbessert werden. Die offene Synovektomie behält jedoch ihren berechtigten Stellenwert bei ausgedehnten periartikulären Weichteileingriffen. Offene und arthroskopische Technik sind keine konkurrierenden, sondern einander sinnvoll ergänzende Verfahren in der gelenkerhaltenden Therapie des rheumatischen Gelenks.

Schultergelenk

Schon in frühen Krankheitsstadien lassen sich ausgedehnte entzündliche Veränderungen der subakromialen Schleimbeutel, Entzündungen der langen Bizepssehne und Rotatorenmanschettendefekte (RMD) nachweisen. Dabei machen Ausdünnungen und Teilrupturen der Sehnen den Großteil der Defekte aus. Vollständige Defekte  liegen laut Literatur bei 20-40%. Der Anteil nicht rekonstruierbarer RMD wird zwischen 10 und 20% beschrieben.

Therapierefraktäre Synovialproliferationen sowie RMD sind heutzutage Domäne der arthroskopischen Chirurgie. Die subacromialen sowie intraartikulären Pathologien des Schulterglenks samt langer Bizepssehne und Rotatorenmanschette lassen sich über die Schlüsselloch-Technik versorgen. Die Vorteile der arthroskopischen Technik liegen in der geringeren Traumatisierung und geringeren Infektgefährdung, da wichtige schulterstabilisierende Sehnen und Muskeln sowie die Gelenkkapsel nicht abgelöst und wieder vernäht werden müssen. Der Zeitpunkt der Indikationsstellung sowie der Zustand der Weichteile, insbesondere der funktionellen Integrität der RM, bestimmt die Langzeitprognose. Je früher die operative Versorgung einer Pathologie erfolgt, desto besser sind die funktionellen Ergebnisse.

Im Langzeitverlauf entwickelt sich eine sekundäre Arthrose des Schultergelenks. Nicht selten werden auch in frühen Erkrankungsstadien unter systemischer und intraartikulärer Kortikoidtherapie uni- und bilaterale Humeruskopfnekrosen beobachtet. In diesen Fällen ist die Schulterendoprothetik die Therapiestrategie an der Schulter. Die Implantatwahl richtet sich nach dem könöchernen und weichteiligen Zerstörungsausmaß des Gelenks. Unsere modernen Schulterprothesen verfügen über eine modulare Bauweise. Verschiedene Kombinationsmöglichkeiten ermöglichen eine individuelle Rekonstruktion ihres Schultergelenks um die Biomechanik der schulterabhängigen Muskulatur wiederherzustellen. Auch hier lauten die primären Zielsetzungen die Schmerzreduktion und ein damit verbundener relativer Funktionsgewinn der aktiven Beweglichkeit.

Rheumapatienten weisen aufgrund ihrer periartikulären Destruktion gegenüber Kollektiven mit primärer Omarthrose eine schlechtere Funktion der operierten Schulter auf. Ein intensives und patientenadaptiertes Nachbehandlungskonzept mit enger Anbindung an poststationäre rehabilitative Einrichtungen sowie ambulanten Physio- und Ergotherapien ist zur Wiederherstellung der Weichteilbalance und die langfristige Funktionsverbesserung der operierten Schulter notwendig.