Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Autoimmunerkrankungen

Komplizierte Bluthochdruck-Erkrankungen

Bluthochdruck (=Arterielle Hypertonie) ist die Volkskrankheit Nummer 1, Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 30% der Deutschen zu hohe Blutdruckwerte haben. Die meisten Patienten können erfolgreich vom Hausarzt oder Internisten betreut und eingestellt werden.

Wenn aber mehr als drei verschiedene Medikamente notwendig werden und/oder der Verdacht besteht, dass andere Ursachen hinter dem Bluthochdruck stecken (sogenannte sekundäre Hypertonieformen), sollte die Abklärung in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Im zertifizierten interdisziplinären Hochdruckzentrum (DHL) im Klinikum Stuttgart - Katharinenhospital stehen hier alle notwendigen Untersuchungsmethoden zur Verfügung.

Die wichtigsten sekundären Hypertonieformen sind:
• Verengungen der Nierengefäße (Nierenarterienstenose)
• Gutartige hormonproduzierende Tumore der Nebenniere (Hyperaldosteronismus)
• Hypertonie durch eine spezielle Schlafstörung (Schlafapnoe-Syndrom)
• Seltener die entzündlichen Nierenerkrankungen (Glomerulonephritiden)

Sollte keine organische Ursache gefunden werden, die Blutdruckwerte mit Änderung der Ernährung und Lebensweise sowie mit Medikamenten aber trotzdem nicht einstellbar sein, können gegebenenfalls neue Therapieverfahren eingesetzt werden.

Die Barorezeptor-Stimulation:
Hier wird an einer der beiden Halsschlagadern (Carotis) an einer bestimmten Stelle operativ eine sehr kleine Elektrode angeheftet. Diese Elektrode ist durch ein Kabel mit einem kleinen Generator verbunden, der zwischen Brustmuskulatur und Schlüsselbein seitlich eingesetzt wird, ähnlich einem Herzschrittmacher. Dieser Generator gibt Impulse an die Halsschlagader ab. Dort sitzen empfindliche Nervenstrukturen, die auf den Blutdruck Einfluss haben und durch diese Impulse den Blutdruck senken. Die Stärke und Frequenz der Impulse kann von außen gesteuert werden. Die Impulse werden vom Träger der Barorezeptor-Stimulation nicht bemerkt. Die Blutdrucksenkung tritt sofort ein und kann durch die Stärke der Impulse gesteuert werden.

Die Barorezeptor-Stimulation erfolgt im Klinikum Stuttgart in Teamwork. Es arbeiten zusammen die Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Autoimmunerkrankungen (Prof. Dr. Schwenger), die Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (Prof. Dr. Hupp) sowie die Klink für Interventionelle und Diagnostische Radiologie (Prof. Dr. Richter). Diese Kliniken kooperieren dabei mit niedergelassenen Nephrologen und Hypertonie-Spezialisten.

120/80mmHg für Alle? Die Ergebnisse der SPRINT-Studie

Eine im letzten Jahr veröffentlichte und auch in der Presse viel diskutierte wissenschaftliche Arbeit war die sogenannte SPRINT-Studie. In ihr wurden Patienten, die entweder schon eine Herzkreislauferkrankung hatten, oder ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Herzkreislauferkrankung besaßen, in zwei Gruppen unterteilt. Die beiden Gruppen wurden medikamentös auf unterschiedliche Zielblutdruckwerte eingestellt: entweder <140/90mmHg (was den bisherigen Leitlinien entspricht) oder <120/80mmHg. Das Ergebnis war ein statistisch deutlicher Unterschied zu Gunsten der niedrigeren Zielwerte, der zeigte, dass weniger Patienten insgesamt und insbesondere an Herzversagen verstarben. Danach wurde vielerorts die Frage gestellt, ob nicht jeder Blutdruckpatient auf das Ziel <120/80mmHg eingestellt werden sollte. Dies ist pauschal auf alle Fälle NICHT richtig. Wichtig ist vor allem zu erwähnen, dass die Studie spezielle Patentengruppen nicht untersucht hat (Diabetiker, Patienten mit Schlaganfall) und es sich bei den untersuchten Patienten zudem um (Hoch-)Risikopatienten handelte. Insofern wird sich in den in Zukunft erscheinenden Leitlinien vermutlich das Blutdruckziel am individuellen Risiko des einzelne Patienten orientieren und nicht mehr (wie es in den aktuellen Empfehlungen gefordert wird) ein Blutdruckziel für alle Patienten gelten. Sollten Sie Fragen zu dem für Sie empfohlenen Blutdruckziel haben, sollten Sie dies mit Ihrem betreuenden Arzt besprechen.

Informationen zum Thema Bluthochdruck finden Sie auch auf den Seiten des
>>> Zertifizierten interdisziplinären Bluthochdruckzentrums.