Aktuell im Klinikum

21.03.2019

Komplikationsrisiko für ältere Patienten gesenkt

Etwa 20 Millionen Menschen werden in Deutschland jährlich im Krankenhaus stationär behandelt. Fast die Hälfte der stationären Patienten ist mindestens 65 Jahre alt. Die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus ein Delir zu entwickeln, liegt nach Studien bei den über 65-Jährigen nach einer OP bei 30-50%, auf einer Intensivstation sogar bei 70-87%. Das Klinikum Stuttgart stellt sich dem Kampf gegen Demenz, Delir und Depression, auch die „drei D’s“ der Altersmedizin genannt. Heute wurden im Rahmen eines Symposiums am Klinikum Stuttgart die Ergebnisse eines Projekts vorgestellt, wonach gezielte Interventionen wie Bewegungsübungen oder Essensbegleitung die Behandlung verbessern und das Risiko für Komplikationen wie Delirien, Stürze und Dekubitus senken.

Besonderes Projekt am Klinikum Stuttgart

Aus dem Projekt „HuBerTDA: Handeln im Hier und Jetzt! Bereit zum Demenz- und Alterssensiblen Krankenhaus!“ hat das Klinikum Stuttgart gezielte Maßnahmen abgeleitet und auf Pilotstationen bereits umgesetzt. Der Medizinische Vorstand des Klinikums Stuttgart, Prof. Jan Steffen Jürgensen, betont: „Delirien kritisch Kranker sind ein häufiges und gravierendes gesellschaftliches Problem. Erfolgreiche Präventionsstrategien helfen den Patienten unmittelbar.“
Mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit für kognitive Veränderungen. Abläufe im Krankenhaus sind jedoch häufig auf körperliche Erkrankungen fokussiert. Um kognitiv beeinträchtigte ältere Patienten mit Demenz, Delir oder Depression frühzeitig zu erkennen, hat das Klinikum Stuttgart vor über drei Jahren das Projekt „HuBerTDA“ entwickelt. Es wurde zunächst in der interdisziplinären Notaufnahme und auf einer orthopädischen Pilotstation eingeführt.

Zwei Pilotstationen

Das Klinikum Stuttgart hat in den Pilotstationen den gesamten Behandlungspfad älterer Patienten angepasst. Speziell geschulte Pflegefachkräfte identifizieren gefährdete Patienten schon bei der Aufnahme mit einem geriatrischen Risikoscreening und verordnen individuelle, nicht medikamentöse Interventionen wie tägliche Besuche, Gesellschaftsspiele, Bewegungsübungen, Mahlzeitenbegleitung etc. Bislang wurden mehr als 50 Patienten auf diese Art betreut. Bei Bedarf können Demenzkoordinatoren oder die Kollegen aus der Geriatrie beratend zur Seite stehen.
Betreut wird das Programm von Dr. Christine Thomas (Ärztliche Direktorin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere) und Cathleen Koch (Diplom-Pflegewirtin, Leitung Pflegerisches Prozessmanagement). PD Dr. Thomas freut sich über den großen Erfolg der ergriffenen Maßnahmen: „Mit recht einfachen Mitteln erreichen wir eine enorme Wirkung bei den Patienten. Denn eine individualisierte Behandlung bedeutet für den Patienten deutlich mehr Lebensqualität“, erklärt die Chefärztin. Koch sieht auch eine Stärkung der Pflegekräfte hin zu mehr Verantwortung im Klinikalltag: „Pflegekräfte haben engen Kontakt mit den Patienten. Sie bekommen jetzt mehr Entscheidungskompetenzen und legen selbst fest, welche Maßnahmen für einen Patienten sinnvoll sind.“ Die von den Pflegekräften festgelegten Maßnahmen werden von Betreuungsassistenten und Freiwilligen (FSJ) gemeinsam mit den Patienten umgesetzt.

Laienverständliches Infomaterial

Neben den Interventionen ist ein eigens entwickeltes Schulungskonzept Kernstück des Projekts. Alle Mitarbeiter, von der Reinigungskraft bis zum Arzt, wurden zu demenz- und altersspezifischen Themen geschult. Abgerundet wird das einzigartige Gesamtkonzept durch die Erstellung von laienverständlichen Informationsmaterialien sowie innovativen und farblich abgestimmten Orientierungshilfen auf den Patientenzimmern und auf der Station.
Das Projekt HuBerTDA ist Teil des Förderprogramms „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ der Robert Bosch Stiftung und wird mit einem Volumen von rund 100.000 € gefördert. Die Projektlaufzeit beträgt 3,5 Jahre, welche am 30.04.2019 endet. Die Projektförderung beinhaltet auch die Weiterqualifikation im Masterstudiengang „Multiprofessionelle Versorgung von Menschen mit Demenz und chronischen Einschränkungen (M.A.)“ in Witten/Herdecke für drei Mitarbeiter des Klinikums.
Weitere Infos auf der Projekthomepage: https://www.klinikum-stuttgart.de/aktuell-im-klinikum/projekte-und-innovationen-in-der-medizin/das-projekt-hubertda/

Klinikum Stuttgart


Das Klinikum Stuttgart mit seinen drei Häusern Katharinenhospital, Krankenhaus Bad Cannstatt und Olgahospital bietet als Krankenhaus der Maximalversorgung umfassende medizinische Versorgung für die Menschen in Stuttgart und der Metropolregion. Träger der besten nicht-universitären Medizin Deutschlands ist die Landeshauptstadt Stuttgart. 50 Kliniken und Institute ermöglichen eine hohe Spezialisierung und ein großes Leistungsspektrum in nahezu allen medizinischen Fachdisziplinen. Jährlich versorgen 7.000 Mitarbeiter rund 90.000 Patienten stationär und etwa 500.000 ambulant.