Aktuell im Klinikum

14.03.2019, Stuttgart

Klinikum Stuttgart: 32.400 Euro für bessere Teilhabe behinderter Kinder

Das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) im Klinikum Stuttgart – Olgahospital bietet multiprofessionelle und interdisziplinäre Diagnostik, Beratung und Therapie für Kinder wie Jugendliche mit chronischen Erkrankungen, Entwicklungsauffälligkeiten und Behinderungen an. Seit Kurzem kann das Zentrum durch einen strukturierten Prozess die Wünsche und Ziele der betroffenen Kinder und ihrer Familien besser berücksichtigen. Als eines von nur drei Pilot-Zentren bundesweit hat Deutschlands größte Kinderklinik ein Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingeführt.

Den Rahmen bildet eine Studie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem. Bisher wurde in Deutschland in der Regel nur nach ICD-10 die Diagnose gestellt, jetzt wird in Stuttgart auch die International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) der WHO angewandt.

„Damit rückt die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen an einem möglichst normalen Leben ins Zentrum. Eine Arm-Orthese wird nicht verordnet, damit die Handstellung physiologisch ist, sondern weil das Kind sich im Sportunterricht wie seine Mitschüler selbst an- und ausziehen möchte. Ein Kind bekommt keine Therapie, damit es die koordinativen Fähigkeiten verbessert, sondern weil es Fahrrad fahren möchte wie die Freunde aus dem Kindergarten“, erklärt Dr. Andreas Oberle, Ärztlicher Direktor des SPZ und Kinder- und Jugendarzt. „Unsere Behandler können auf ein klares Fragenraster zurückgreifen, um die Bedürfnisse herauszufinden und die Barrieren im Alltag zu identifizieren“, sagt er.

Die Veronika-Stiftung der Diözese Rottenburg hat die Schulung der SPZ-Mitarbeiter wesentlich unterstützt. Dank einer Förderung der Stiftung in Höhe von 32.400 Euro bekamen sie Kenntnisse und Materialien zum praktischen Einsatz des neuen Klassifikationssystems an die Hand sowie vertiefte Kompetenzen in der Gesprächsführung vermittelt, um die Familien in eine aktivere Rolle zu bringen. „Wir haben die Einführung des neuen Klassifikationssystems unterstützt, weil es die Versorgungsqualität der kleinen und schon etwas größeren Patienten steigert. Außerdem stärkt es die Rechte der Kinder und Eltern“, erklärte Robert Antretter, Stiftungsvorstand der Veronika-Stiftung und langjähriger Bundestagsabgeordneter bei der Scheckübergabe am 14. März im Klinikum. Die Stiftung mit Sitz in Rottenburg/Neckar setzt sich besonders für Würde und Lebensqualität schwer kranker Kinder und älterer Menschen ein.

Das Team des Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) verbindet den stationären Bereich mit dem ambulanten Sektor und dem häuslichen Umfeld. Es besteht aus Kinder- und Jugendärzten, Neuropädiatern, Neonatologen, klinischen Psychologen, Psychotherapeuten, Therapeuten, Pädagogen, Sozialpädagogen, Kinderkrankenschwestern und dem Sekretariats- und Organisationsteam.