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17.01.2019

Innovativ: Klinikum Stuttgart setzt Seh-Chip in 3D-Operation ein

Operateure des Klinikums Stuttgart haben gestern erstmals einem Patienten in einer 3D-Operation einen Sehchip eingesetzt. Erblindete Patienten können durch dieses Netzhaut-Implantat einen Teil ihrer Sehkraft zurückgewinnen. Prof. Dr. Florian Gekeler, Ärztlicher Direktor der Augenklinik am Klinikum Stuttgart, ist Experte für diesen innovativen Eingriff.

Eingriff mit 3D-Brille
Für die hochpräzise und stereoskopische Darstellung des kleinen OP-Gebietes unterhalb der Netzhaut während des Eingriffs wurde erstmals eine 3D-Brille genutzt, die hochauflösend die exakte räumliche Orientierung des Chirurgen ermöglicht, der mit Blick auf einen speziellen Bildschirm operiert. Die dreidimensionale Darstellung soll die Präzision des Eingriffs und die Patientensicherheit weiter verbessern. Bisher benutzten Operateure ein Mikroskop, um ins Innere des Auges zu blicken.

Hilfe bei Erblindung durch Erbkrankheit
Insbesondere Patienten, die unter einer Retinitis pigmentosa leiden, kommen für einen Sehchip in Frage. „Bei dieser Erbkrankheit beginnt etwa im Jugendalter die Zerstörung der Netzhaut. Nach und nach wird die Sehkraft schlechter, oft bis zur endgültigen Erblindung“, erklärte Gekeler. „Die Technik hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Mussten vor wenigen Jahren die Implantate nach wenigen Monaten wieder herausgenommen werden, sind sie heute bis zu fünf Jahre voll funktionsfähig.“

Etwa vier Wochen nach der Operation ist es Patienten möglich, Lichtquellen wahrzunehmen, Formen zu erkennen und sogar größere Buchstaben zu lesen. „Die Menschen kommen nach der Operation deutlich selbständiger im Alltag zurecht“, sagte Gekeler.

Kooperation von Klinik und Medizintechnik
Prof. Dr. Jan Steffen Jürgensen, Medizinischer Vorstand des Klinikums Stuttgart, betont: „Etwa 30.000 Patienten in Deutschland leiden unter einer Retinitis pigmentosa. In schweren Verläufen droht die Erblindung mit starker Einschränkung der Lebensqualität. Die Entwicklung der Retina-Chips und die Fortschritte der OP-Verfahren spiegeln die Leistungsfähigkeit des Gesundheitsstandorts Baden-Württemberg wider. Die Kooperation von starker Entwicklungsarbeit der Medizintechnikfirmen in der Region mit hervorragenden Klinikern wie Prof. Gekeler und seinem Team ermöglichen solch hoffnungsvolle Innovationen.“

Mehr Informationen zur Augenklinik des Klinikums Stuttgart und zur Arbeit von Prof. Dr. Florian Gekeler finden Sie hier: www.klinikum-stuttgart.de/augen