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Ergotherapie

Gesichtsfeld- und Hemianopsietraining

Nach Hirnschädigungen treten häufig Sehstörungen verschiedener Art auf. Zu diesen gehören zum Beispiel Gesichtsfeldausfälle, die damit assoziierten Lese- und Explorationsdefizite, sowie visuell-räumliche Wahrnehmungsstörungen.

Die Störungen zeigen sich unter anderem durch Anstoßen an Gegenständen oder Übersehen von Hindernissen, am langsamen und fehlerhaften Lesen, an der fehlerhaften Orientierung im Raum und bei vielen anderen Alltagsaktivitäten, bei denen das Sehen wichtig ist.

Die entsprechenden Behandlungsansätze erfolgen auf drei Ebenen:

  • Restitution (direktes Training der gestörten Funktion)
  • Kompensation (Kompensation des Defizits durch erhaltene Funktion)
  • Substitution (Optische und prothetische Hilfsmittel), welche nur in Ausnahmefällen angewendet werden.

Trainingsformen

Zielsetzung beim Lesetraining ist es, das Lesetempo und den Zeilensprung zu verbessern, um die Fehlerzahl zu reduzieren, so dass wieder ein flüssiges, fehlerfreies Lesen möglich ist. Hierbei stehen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung – von computerunterstütztem Lesetraining bis hin zum Erlernen von sicheren Lesestrategien. Häufig kommt es bei Gesichtsfeldausfällen zu Auslassungen beim visuellen Suchen, was sich im Alltag beispielsweise beim Nicht-Auffinden von Gegenständen bemerkbar macht. Die Patienten werden angeleitet, ihre Augenbewegungen zu vergrößern und das Tempo zu steigern, um diese beim Absuchen der „blinden“ Seite einzusetzen. Nach diesem Training erlernen die Patienten eine systematische Suchstrategie mit großen visuellen Suchvorlagen. Die Patienten sollen in die Lage veretzt werden, sich sicher und schnell einen visuellen Überblick zu verschaffen und so eine Verbesserung in visuellen Alltagsleistungen zu erreichen – beispielsweise beim Straße überqueren oder dem Suchen nach Gegenständen.

Als mögliche restituiernde Behandlung wird im Rahmen der computerunterstützten Therapie auf das Gesichtsfeldtraining VIST (Visuelles Restitutions- Training) zurückgegriffen. Hierbei sitzt der Patient unter Verwendung einer Kinnstütze vor dem Monitor und fokussiert einen Fixationspunkt. Ein Stimulus bewegt sich dabei auf dem Bildschirm vom intakten zum defekten Gesichtsfeld.

In der Alltagsorientierten Therapie werden durch visuell-räumliche Probleme beeinträchtige Alltagshandlungen beübt.  Gleichzeitig werden räumlich-perzeptive, räumlich-konstruktive und planerische Leistungen durch gestuftes Training mit räumlich-konstruktiven Material trainiert.

Beispiel eines Behandlungsplans für die visuelle Explorationsstörung

1. Anamnese/Befunderhebung
  • Eingeschränkter Überblick?
  • Anstoßen an Personen/Hindernissen?
  • Unsichere Orientierung im Raum, Menschenmengen und im Verkehr, Visuomotorische Probleme (zeigen, greifen)?
  • Verlangsamtes Explorieren?
2. Art der Behandlung
  • Steigerung der Amplitude/Geschwindigkeit der Sakkaden zum blinden Halbfeld
  • Reduktion der sakkadischen Reaktionszeit, Vermeiden von Kopfbewegungen,
  • Vermittlung einer systematischen, räumlich gut organisierten visuellen Suche auf großen Vorlagen in 3 Schritten
    • Überblick verschaffen
    • blindes Halbfeld absuchen, systematisch zeilen-/ spaltenförmig suchen
    • Suchstrategien auf alltagsnahen Vorlagen wie Tisch, Verkehr,  Einkaufsladen, Bücherei, etc.
3. Transfer im Alltag

Orientierung in der Klinik, im eigenen Stadtviertel, neuer Umgebung; Bewältigen visueller Alltagsleistungen, Gegenstände auf Tisch/im Zimmer finden, eigenes Zimmer finden, Einkaufen im Supermarkt, Straße überqueren, öffentliche Verkehrsmittel benutzen

4. Behandlungsergebnis

Reduktion der Auslassungen und der visuellen Alltagsprobleme, Steigerung der Suchgeschwindigkeit, Verbesserung der Aktivität und Partizipation in visuellen Alltagsleitungen

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Quelle:

G. Kerkoff, K. Oppenländer et al. (2007): Therapie zerebraler visueller Wahrnehmungsstörungen. Der Nervenarzt S. 457-470, Springer Berlin / Heidelberg.

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