Transplantationszentrum Stuttgart

Lebendspende

Eine Lebendnierenspende ist die Spende der Niere eines lebenden Menschen zur Transplantation. Als Spender kommen dabei grundsätzlich alle gesunden Personen in Frage, die in einer engen emotionalen und/oder verwandtschaftlichen Beziehung zum Empfänger stehen und deren Blutgruppe zur Blutgruppe des Empfängers passt.

Die Erfolgschancen einer Lebendnierenspende sind in aller Regel besser als bei einer Leichennierenspende. Je näher die Blutsverwandtschaft zwischen Spender und Empfänger ist, desto besser ist das Resultat. Überraschenderweise sind selbst bei nicht Verwandten mit völlig unterschiedlichen Gewebsantigenen die Ergebnisse sehr gut.

Neben der blutgruppenkompatiblen Lebendspende (Blutgruppe des Spenders passt zum Empfänger) werden seit 2006 im Transplantationszentrum Stuttgart auch AB0-inkompatible Nierentransplantationen (Blutgruppenfremde Transplantation) durchgeführt

Die Organentnahme bei lebenden Organspendern ist seit dem 1.12.1997 gesetzlich geregelt.

Warum Lebendnierenspende?

Aufgrund der Organknappheit werden in Deutschland jährlich nur ca. 2000 Nierentransplantationen durchgeführt. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Leichenniere beträgt deshalb rund sechs Jahre. Für viele Patienten ist diese lange Wartezeit eine große psychische Belastung und zermürbend. Der Alltag der Patienten ist durch Diätvorschriften und eine hohe zeitliche Inanspruchnahme durch die Dialyse gekennzeichnet. Außerdem ist in der Regel die Leistungsfähigkeit gemindert, häufig verbunden mit verringerten beruflichen Chancen oder gar Verlust der Erwerbsfähigkeit.

Mit einer Lebendnierentransplantation lässt sich diese Wartezeit verkürzen oder unter idealen Voraussetzungen sogar ganz umgehen. Der Zeitpunkt der Transplantation ist planbar. Die Organübertragung ist damit unter den bestmöglichen Voraussetzungen durchführbar.

Voraussetzungen für eine Lebendspende

  • Die Spende muss freiwillig sein und ausschließlich von enger Familienbindung, tiefer Freundschaft oder Liebe ausgehen. Im Einzelnen können dies Eltern, Geschwister, erwachsene Kinder, Großeltern, Ehepartner oder Lebensgefährten sein.
  • Der Spender muss in einem guten Gesundheitszustand sein. Er muss zwei normal funktionierende Nieren haben. Sein Körpergewicht darf das Normalgewicht höchstens um 15 % überschreiten. Der Blutdruck muss im Normalbereich sein. Der Spender darf weder zucker- noch herzkrank sein. Er darf nicht unter psychischen Krankheiten leiden. Eine bösartige Krankheit verbietet eine Nierenspende ebenso wie eine Abhängigkeit von Drogen oder Alkohol.
  • Die blutgruppenkompatiblen Lebendspende muss die Blutgruppe des Spenders zum Empfänger passen.
    Folgende Kombinationen sind möglich:

    • Spenderblutgruppe A auf Empfängerblutgruppe A oder AB
    • Spenderblutgruppe B auf Empfängerblutgruppe B oder AB
    • Spenderblutgruppe AB auf Empfängerblutgruppe AB
    • Spenderblutgruppe 0 auf alle Empfängerblutgruppe.

    Der Rhesusfaktor spielt keine Rolle

  • Die sogenannte Kreuzprobe (Crossmatch) muss negativ sein, d.h. das Serum (= Blutflüssigkeit) des Empfängers darf nicht mit den Lymphozyten (= weiße Blutkörperchen) des Spenders in einem speziellen Labortest reagieren. In diesem Test stehen die Lymphozyten des Spenders stellvertretend für die zu spendende Niere.

Auswirkungen und Risiken für den Spender

In aller Regel kann der Spender nach der Entfernung einer Niere sein Leben ganz normal weiterführen. Die verbliebene Niere übernimmt weitgehend die Funktion der entfernten Niere und reicht vollauf für ein normales Leben. Der Spender muss sich an keine Diät und an keine Trinkmengenbegrenzung halten. 

Die Entfernung der Spenderniere hat jedoch wie jede Operation gewisse Risiken:

  • Es können Frühkomplikationen wie Wundinfekte, Blutungen, Thrombosen, Lungenembolien und Lungenentzündungen auftreten. Schwerwiegende Komplikationen treten in höchstens 1% der Fälle auf.
  • Das Risiko, an einer Nierenentfernung zu versterben, beträgt 0,03 - 0,06 %.

 
Mögliche Langzeitauswirkungen:

  • In seltenen Fällen können wie bei jeder Operation im Bauchraum Narbenprobleme bis hin zum Narbenbruch auftreten.
  • Ob eine Nierenspende zu einem höheren Risiko führt, einen Bluthochdruck zu erleiden, ist in Fachkreisen umstritten und konnte bisher nicht mit eindeutigen Zahlen belegt werden.
  • In Einzelfällen kann es zu einer gering vermehrten Eiweißausscheidung über die verbliebene Niere kommen. 
  • Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist das Risiko für eine Dialysepflichtigkeit nach Lebendnierenspende nicht erhöht, allerdings zeigt sich ein erhöhtes Risiko im Vergleich zu gleichaltrig, gleichgesunden Menschen bei aber sehr niedrigem Gesamtrisiko.
  • Im extrem seltenen Fall einer schweren Erkrankung der verbliebenen Niere (Tumor, schwere Verletzung) kann möglicherweise beim Spender die Dialysenotwendigkeit eintreten. 
  • Im Falle einer Schwangerschaft nach Lebendnierenspende sind erhöhte Schwangerschaftkomplikationsraten im Vergleich zu Frauen, die keine Niere gespendet haben, beschrieben.

AB0-inkompatible Nierentransplantationen

Bei der blutgruppeninkompatiblen Nierentransplantation ist eine Nierenlebendspende auch zwischen Personen möglich, deren Blutgruppeneigenschaften nicht zueinander passen.

Wird eine Niere mit einer fremden Blutgruppe ohne entsprechende Vorbehandlung transplantiert, so erkennen die Antikörper im Blut des Organempfängers die fremde Blutgruppeneigenschaft auf der Oberfläche der Zellen der transplantierten Niere. Sie binden an diese Zellen an und lösen so in den allermeisten Fällen eine heftige Abstoßungsreaktion aus, die unbehandelt zum Verlust des Organs binnen weniger Tage führt.

Bei der blutgruppeninkompatiblen Transplantation muss diese Abstoßung verhindert werden. Dies geschieht in drei Schritten:

  1. Die Blutgruppenantikörper werden durch eine Art spezielle Blutwäsche (Immunadsorption) gezielt und selektiv aus dem Blut des Empfängers entfernt.
  2. Die Nachproduktion dieser Antikörper erfolgt in den sogenannten B-Lymphozyten. Die Zahl der B-Lymphozyten wird durch das Medikament Rituximab dramatisch vermindert. Insgesamt ergibt sich daraus eine nahezu vollständige Entfernung der Blutgruppenantikörper.
  3. Der Körper hilft durch Akkommodation mit. Eine akute Abstoßung aufgrund von Blutgruppenantikörpern tritt in der Regel nur innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Transplantation auf, daher wird in dieser Zeit der ABO-Spiegel kontrolliert. Nach dieser Zeit hat sich das Immunsystem des Empfängers an das fremde Organ gewöhnt. Diesen Vorgang bezeichnet man als Akkommodation. Die genauen Mechanismen, die zu dieser Toleranzentwicklung führen, sind nicht vollständig bekannt. Es ist daher nur erforderlich, die Antikörper im Blut des Empfängers für die ersten zwei Wochen nach der Transplantation möglichst niedrig zu halten. Nach der zweiten Woche verläuft eine AB0-inkompatible Transplantation wie eine normale Transplantation.

Beratungstelefon

Das Nierentelefon (Bundesverband Niere e.V. & Verband Deutsche Nierenzentren (DN) e.V.):

  • Telefonische Beratung zu sozialen und medizinischen Fragen, immer mittwochs von 16.00 – 18.00 Uhr unter 0800 2484848