Aktuell im Klinikum

05.12.2017, Stuttgart

Schrittmacher für die Zunge

Neue Therapieoption bei schlafbezogenen Atmungsstörungen am Klinikum Stuttgart

Schlafbezogene Atmungsstörungen gehören heutzutage zu den Volkskrankheiten und können unbehandelt zu schwerwiegenden Folgen wie Hochdruck- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Häufig sind die Patienten durch Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Einschlafneigung stark beeinträchtigt und in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Als Standardbehandlung ist bisher eine kontinuierliche Überdruckbeatmung mit einer Maske etabliert, allerdings bleibt eine Vielzahl der Patienten damit nur unzureichend therapiert. Eine operative Alternative ist hier der Hypoglossusschrittmacher, auch Zungenschrittmacher genannt.

Die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Plastische Operationen am Klinikum Stuttgart – Katharinenhospital unter der Ärztlicher Leitung von Prof. Dr. Sittel ist eine der wenigen Kliniken in Deutschland und einzige in der Region, die dieses innovative Verfahren anbietet. Dabei wird der Zungenschrittmacher unter die Haut im rechten Brustbereich eingesetzt. Dieser stimuliert während des Schlafs über eine unter der Haut verlaufende Elektrode den Zungennerv, während über eine weitere Elektrode die Atmung registriert wird. Die Stimulation sorgt für das Offenhalten der oberen Atemwege während des Einatmens. Das System ist leicht mit einer kleinen Fernbedienung durch den Patienten zu steuern.

Geeignet ist das System für Patienten mit mittel- bis schwergradiger obstruktiver Schlafapnoe, die eine Maskenbeatmung nicht tolerieren oder damit nicht ausreichend therapiert werden können. Vor der Implantation ist zusätzlich eine ambulante Schlafvideoendoskopie notwendig. Hierbei wird während eines kurzen, medikamentös eingeleiteten Schlafes die Form des Kollapses im Rachenbereich über eine Endoskopie beurteilt.

Ist die Therapie möglich, wird das Stimulationssystem in einem kurzen, stationären Aufenthalt von etwa vier Tagen implantiert. Vier Wochen nach der Implantation wird das System zunächst ambulant aktiviert. Nach weiteren vier Wochen erfolgt dann die Feineinstellung im Schlaflabor.

Die ersten Implantationen in der HNO-Klinik sind sehr erfolgreich verlaufen und eine vollständige Kostenübernahme durch die Krankenversicherung ist in der Regel gewährleistet.