Aktuell im Klinikum

29.09.2017, Stuttgart

175 Jahre Olgahospital – Klinikum Stuttgart

Mit einem Festakt feierte das Klinikum Stuttgart das 175-jährige Jubiläum seines Olgahospitals, von den Stuttgartern auch liebevoll „Olgäle“ genannt. Es ist heute eines von Deutschlands traditionsreichsten und größten Krankenhäusern für Kinder und Jugendliche. Zu den rund 250 Gästen gehörten neben Staatsminister Klaus-Peter Murawski, Oberbürgermeister Fritz Kuhn und der Herzogin Julia von Württemberg unter anderem auch der Erste Bürgermeister Michael Föll, zuständig für das Klinikum Stuttgart, und der Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration, Werner Wölfle, sowie Bundestagsabgeordnete und zahlreiche Stadträtinnen und Stadträte.

„Das Olgahospital gehört bundesweit zu den besten seines Fachs“, so Staatsminister Klaus-Peter Murawski in seiner Ansprache. „Das liegt an der exzellenten medizinischen Arbeit, die hier auf vielen Gebieten geleistet wird und an der guten und modernen Ausstattung. Es liegt aber auch an den Menschen, die hier Tag für Tag ihr Bestes tun, um kranken Kindern und Jugendlichen zu helfen. Zum Jubiläum gratuliere ich der Klinikführung, der Stadt Stuttgart und allen, die im Olgahospital ihren Dienst tun, sehr herzlich.“

Seit dem Umzug 2014 in den Neubau am Standort Mitte des Klinikums Stuttgart bildet das Olgahospital mit der Frauenklinik Wand an Wand das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Frauenmedizin mit 385 Betten. Von ambulanten und tagesklinischen bis hin zu stationären Angeboten in nahezu allen medizinischen Fachdisziplinen verfügt das Olgäle heute über eine sehr moderne Infrastruktur und Ausstattung. Jährlich kommen hier mehr als 3000 Kinder zur Welt und 16.000 Kinder und Jugendliche werden im Olgäle stationär behandelt. Hinzu kommen rund 110.000 ambulante Patienten im Jahr. Als Krankenhaus der Maximalversorgung reicht das Einzugsgebiet weit über die Landeshauptstadt und Baden-Württemberg hinaus. Auch aus dem Ausland suchen viele Patienten gezielt die im Olgahospital gebündelte Kompetenz.

„Für Familien aus Stuttgart und der Region ist es beruhigend, dass es unser `Olgäle‘ gibt, denn hier wissen sie ihre Kinder in den besten Händen“, betonte Oberbürgermeister Fritz Kuhn für die Landeshauptstadt Stuttgart. „Mit dem Neubau 2014 hat die Stadt dafür gesorgt, dass das Olgäle die erste Adresse in Stadt und Land für Kinder- und Jugendmedizin bleibt. Der 175. Geburtstag ist eine gute Gelegenheit, an die Namensgeberin Königin Olga zu erinnern, die an so vielen Orten in Stuttgart positiv gewirkt hat. Das Olgäle war ein Meilenstein in der Übernahme staatlicher Verantwortung für die Gesundheit von Kindern, ungeachtet ihrer sozialen Stellung.“

Mit ´leistungsstark, sicher und herzlich´ bringt der Geschäftsführende Ärztliche Direktor des Klinikums Stuttgart, Dr. Jan Steffen Jürgensen, die Expertise des Olgahospitals auf den Punkt. „Wir sind der Landeshauptstadt Stuttgart für die hervorragende und moderne Ausstattung sehr dankbar, die an die großzügige Gründungstradition der Namensgeberin anknüpft. Wir haben nahezu ideale Bedingungen für unsere kleinen Patienten, deren Familien und unsere klinischen Teams. Der Metropolenregion Stuttgart möchten wir auch in Zukunft mit exzellenter Medizin und sicherer Versorgung der Kinder etwas zurückgeben.“

Das Olgahospital blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es üblich, Kranke Zuhause zu behandeln, auch die Kinder. Umso revolutionärer war es, als die beiden Stuttgarter Ärzte Georg von Cleß und Otto Elben am 9. August 1842 eine Heilanstalt für Kinder eröffneten. Dr. Cleß war ärztlicher Vorstand der Abteilung für Innere Medizin des Katharinenhospitals, das bereits 1828 „zur Heilung von inneren und äußeren Krankheiten […], vorzugsweise für die Residenzstadt Stuttgart, nächstdem aber zum gemeinen Besten des gesamten Vaterlandes“ bestimmt war. Heute sind Katharinenhospital und Olgahospital am Standort Mitte unter dem Dach des Klinikums Stuttgart vereint. Das Olgahospital hatte im Gründungsjahr 1842 zunächst nur elf Betten, war in einer Vier-Zimmer-Wohnung untergebracht und wurde von Spenden und einer Kinderlotterie finanziert. Im selben Jahr wurde in Stuttgart das Mineralbad Leuze eingeweiht und das erste Gebäude der Wilhelma erbaut.

Der russischen Zarentochter Olga-Nikolajewna, Kronprinzessin und spätere Königin von Württemberg, die selbst kinderlos war, lag das Wohlergehen der Kinder sehr am Herzen. Sie war eine intelligente, gebildete Frau, die sich für Frauenrechte einsetzte und Krankenhäuser und Altenheime förderte. Sie unterstützte die kleine Klinik von Anfang an, nahm sie 1847 unter ihren persönlichen Schutz und gab ihr zwei Jahre später den Namen „Olga-Heilanstalt für Kinder“.

Die Heilanstalt wuchs rasant, aber da die Kapazitäten bei Weitem nicht ausreichten, begann auf städtischem Grund der Bau eines neuen Klinikgebäudes, das 1848 fertiggestellt wurde. Hier wurden nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Säuglinge aufgenommen. Durch die Reichsgründung 1871 und die damit verbundene Freizügigkeit kamen immer mehr Kinder nach Stuttgart, sodass ein Jahr später auf Königin Olgas Anweisung ein Ausbau des Spitals vorangetrieben wurde. Nun konnten 122 Patienten aufgenommen werden, zusätzlich gab es Fachabteilungen und Spezialisierung, z. B. für Chirurgie oder Orthopädie.
 
Im Ersten Weltkrieg diente die Heilanstalt auch als Lazarett für Soldaten und Angehörige des Militärs und besaß bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 446 Betten. Luftangriffe trafen die Kranken- und Verwaltungsgebäude und alle historischen Akten des Hauses wurden vernichtet. Während des Krieges waren die Patienten in anderen Krankenhäusern untergebracht, nach Kriegsende wurde die Verlagerung rückgängig gemacht.

1956 wurde die Heilanstalt offiziell in „Olgahospital“ umbenannt. Zwischen 1956 und 1974 errichtete die Stadt einen Neubau in der Stuttgarter Bismarckstraße, der bis 2015 bestehen blieb. 1979 wurde aus dem Olgahospital und den Städtischen Kinderkliniken das Pädiatrische Zentrum in städtischer Trägerschaft gebildet, das 1999 dann Teil des Klinikums Stuttgart wurde.

2014 zog das Olgahospital zusammen mit der Frauenklinik in den Neubau auf dem Gelände des Katharinenhospitals. Zahlreiche Stiftungen, Förderkreise, Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen sorgen für die kind- und jugendgerechte Ausstattung und leisten mit ihrer finanziellen Unterstützung einen wichtigen Beitrag für eine hochmoderne medizinische Versorgung.

An der Festveranstaltung zum 175-jährigen Jubiläum des Olgahospitals nahm auch eine Delegation aus Samara unter der Leitung des Ersten Bürgermeisters Vladimir Slastenin teil. Die Partnerschaft Samara-Stuttgart feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Fast ebenso lang besteht die Zusammenarbeit zwischen dem Olgahospital und der Kinderklinik Nr. 1 in Samara. Mehrmals im Jahr kommen Ärzte und Pflegefachkräfte aus den Bereichen Onkologie, Kinderchirurgie, Pflegeausbildung, HNO und Neonatologie zu Konferenzen, Ausbildungskursen oder Hospitationen in beiden Städten zusammen.