Aktuell im Klinikum

05.05.2017, Stuttgart

Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) für Kinder und Jugendliche am Klinikum Stuttgart

Ein Jahr Kinder Palliativ Care-Team Stuttgart

Wenn das Ziel der Therapie nicht mehr die Heilung sein kann, wächst der Wunsch vieler Eltern, das kranke Kind zu Hause versorgen zu können. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) für Kinder ist seit 2007 gesetzlich verankert und soll schwerst- und lebensbegrenzt erkrankten Kindern und Jugendlichen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in der häuslichen Umgebung ermöglichen.

Das Kinder Palliativ Care-Team (KiPaCT) Stuttgart am Klinikum Stuttgart - Olgahospital wurde zum Jahresbeginn 2016 gegründet und versorgt seit dem Kinder und Jugendliche in der Region Stuttgart. Im Team arbeiten fünf Fachärzte, sechs Kinderkrankenschwestern und eine Sozialarbeiterin. Alle Mitarbeiter erhalten eine Weiterbildung für Palliativmedizin/Palliative Care. Das Team arbeitet eng mit lokalen Partnern wie Pflege-diensten, niedergelassenen Ärzten und ambulanten Hospizdiensten zusammen. Ki-PaCT berät, begleitet und unterstützt die Familien bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung ihres Kindes. Das Team steht hier 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung.

Nach einem Jahr zieht die Leiterin des Kinder Palliativ Care-Team am Olgahospital, Privatdozentin Dr. Claudia Blattmann, eine positive Bilanz: „KiPaCT hat im vergangenen Jahr 39 Kinder und Familien im Durchschnitt über 111 Tage versorgt. Dafür hat das Team eine durchschnittliche Anfahrtsstrecke von 40 km, teilweise bis zu 120 km zurückgelegt. Kontakt zu den Patienten hat das Team wöchentlich, bei Bedarf öfter. Ziel ist es, perspektivisch pro Jahr mindestens 50 Patienten und deren Familien zu versorgen.“ Gemeinsam mit vier weiteren Teams, die in Tübingen, Ulm, Freiburg und Heidelberg/Mannheim ansässig sind, wird eine flächendeckende Versorgung für alle Patienten in Baden-Württemberg erreicht. Im vergangenen Jahr wurden landesweit 181 Patienten zu Hause von den Kinderpalliativteams versorgt. 58 der jungen Patienten sind in dieser Zeit verstorben, davon 41 zu Hause. Die SAPV für Kinder und Jugendliche wird von den Eltern und den Kooperationspartnern sehr positiv und dankbar angenommen.

„Wie wichtig die Unterstützung von Familien in einer so schwierigen Lebensphase ist, zeigt dieses erste Jahr, in dem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KiPaCT mit beeindruckendem Engagement dieser Aufgabe gewidmet haben“, erklärte der Erste Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, Michael Föll am Freitag (05. Mai 2017) bei der Feier im Olgahospital. „Eine große Herausforderung wird Ende des Jahres die Neuverhandlung der Vergütung durch die Krankenkassen sein, bei der es darum gehen wird, eine möglichst kostendeckende Finanzierung für diese Palliativversorgung zu erreichen.“

Auch der Geschäftsführende Ärztliche Direktor des Klinikums Stuttgart, Dr. Jan Steffen Jürgensen, hob den hohen Stellenwert hervor: „Behandlung in einem Haus der Maximalversorgung wie dem Klinikum Stuttgart mit Deutschlands größter Kinderklinik, dem Olgäle, ist glücklicherweise fast immer kurativ. Wenn Heilung nicht mehr möglich ist, gilt es, das Leiden bestmöglich zu lindern, Lebensqualität zu retten und die palliative Therapie in vertrauter Umgebung für unsere jungen Patienten zu sichern. Diese herausragend wichtige Aufgabe leistet das Kinder Palliativ Care-Team in den Familien – und dafür danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr.“ Die aus zahlreichen großzügigen Spenden ermöglichte Ausstattung, beispielsweise mit Notfallrucksäcken, aber auch psychologische Betreuungsangebote für die Teams seien beeindruckend und dankenswert. Es könne jedoch nicht richtig sein, dass ein gesellschaftlich derart wichtiges Angebot mittelfristig nicht auskömmlich durch die Krankenkassen finanziert werde. 

Anspruch auf SAPV besteht bei einer nicht heilbaren, fortschreitenden und so weit fortgeschrittenen Erkrankung, dass dadurch die Lebenserwartung begrenzt ist und eine aufwändige Versorgung benötigt wird. Diese kann zu Hause ambulant oder auch an anderen Orten (wie Hospizen, Pflegeeinrichtungen etc.) erbracht werden. Die Betreuung schwerstkranker Kinder und Jugendlicher erfolgt dort, wo sie zu Hause sind. Dazu gehört die Linderung leidvoller Symptome. Ein weiteres Ziel ist die fachliche und kompetente Unterstützung der Familie und aller an der Versorgung beteiligter Kooperationspartner. Das Kinder Palliativ Care-Team Stuttgart besteht aus Kinderärztinnen und -ärzten, Kinderkrankenschwestern und einer Sozialpädagogin. Das Team arbeitet eng mit niedergelassenen Kinderärzten, Hausärzten, Kinderhospizdiensten, Psychologen, Physiotherapeuten etc. zusammen. Das KiPaCT nimmt seine Arbeit auf, wenn die Versorgung durch die Helfer vor Ort nicht (mehr) ausreicht. Dies kann im Laufe der Erkrankung immer wieder oder am Lebensende durchgängig der Fall sein.

Das KiPACT wird großzügig unterstützt vom Verein der Palliativ-Care Teams Kreis Böblingen e.V. und von der Robert-Bosch-Stiftung.
 
Kontakt und Information: Kinder Palliativ Care-Team (KiPaCT), Klinikum Stuttgart – Olgahospital, Kriegsbergstraße 62, 70174 Stuttgart, Telefon 0711 278-72414, Telefax: 0711 278-72628, sapv.oh@klinikum-stuttgart.de, www.klinikum-stuttgart.de

Spendenkonto für KiPaCT:
BW Bank
IBAN: DE94 6005 0101 0002 0050 03
BIC: SOLADEST600
Empfänger: Klinikum Stuttgart, Olgahospital, SAPV
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