Aktuell im Klinikum

04.05.2017, Stuttgart

Höhere Überlebenschancen für Schlaganfallpatienten

Klinikum Stuttgart verfügt über bundesweit größtes Zentrum für Thrombektomie

Die Schlaganfalleinheit (Stroke Unit) der Neurologischen Klinik am Katharinenhospital – Klinikum Stuttgart unter der Leitung von Prof. Dr. Hansjörg Bäzner hat erneut erfolgreich die Re-Zertifizierung durch die Deutsche Schlaganfallgesellschaft und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erreicht. Sie ist im Schlaganfallkonzept des Landes Baden-Württemberg als überregionales Schlaganfallzentrum ausgewiesen – und damit die führende Klinik für die Behandlung von Patienten mit Schlaganfall in Stuttgart und gleichzeitig auch eines der größten Schlaganfallzentren in Baden-Württemberg. Der Geschäftsführende Ärztliche Direktor des Klinikums Stuttgart, Dr. Jan Steffen Jürgensen, hob hervor: “Die Leistungsfähigkeit des Klinikums Stuttgart in der akuten Schlaganfalltherapie ist das Resultat intelligenter Vernetzung. Interdisziplinarität, Teamwork und die Größe des Klinikums bilden die Basis für diesen Erfolg.“

Die seit Ende Januar 2017 geltende neue Schlaganfallkonzeption des Landes Baden-Württemberg bildet die Grundlage für eine qualitativ hochwertige und flächendeckende medizinische Behandlung. Stuttgart hat demnach eine optimale Versorgungsstruktur für Schlaganfälle und stellt durch die enge Kooperation der regionalen Schlaganfallzentren mit dem Klinikum Stuttgart die bestmögliche Versorgung der Patienten sicher.

Im Klinikum Stuttgart arbeiten Neurologen, Neuroradiologen und Neurochirurgen, die gemeinsam auch das Neurozentrum bilden, sowie Gefäßchirurgen  bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten eng zusammen. Sie bieten neben der medikamentösen Lyse alle aktuell verfügbaren kathetergeführten interventionellen Eingriffe – wie etwa die Thrombektomie – sowie operative Verfahren zur Behandlung der erkrankten Gehirngefäße an. Deshalb wurde das Neurozentrum am Klinikum Stuttgart auch als Pilotzentrum im Rahmen der Bildung Neurovaskulärer Netzwerke ausgewählt.

So verfügt das Klinikum Stuttgart in der Klinik für Neuroradiologie über das bundesweit größte Zentrum für die mechanische Entfernung von Blutgerinnseln im Gehirn mit Hilfe eines Stents (Thrombektomie), deren Ärztlicher Direktor, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Henkes, weltweit erstmals erfolgreich einen solchen Eingriff durchführte. Allein im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1.388 Schlaganfälle im Klinikum behandelt. Bei 410 Patienten wurde eine Thrombektomie durchgeführt, wobei davon 330 Patienten von anderen Krankenhäusern in Stuttgart und der Region zur Thrombektomie überwiesen und 80 Patienten über die Interdisziplinäre Notaufnahme (INA)  im Katharinenhospital des Klinikums Stuttgart kamen.

„Die medikamentöse Lyse beim Schlaganfall stößt nicht nur zeitlich an Grenzen. Thromben, die größer als acht Millimeter sind, können kaum noch mit der intravenösen Medikamentengabe aufgelöst werden“, erläuterte Prof. Henkes. „Die Thrombektomie erlaubt es, mit Hilfe eines Katheters auch große akute Gefäßverschlüsse schnell und ohne Medikamente zu entfernen.“ Eingesetzt werden dazu (quasi als „Fangkorb“) spezielle Stents, die ursprünglich zur Behandlung von Aussackungen der Hirngefäße entwickelt worden waren. „Manche Patienten würden ohne dieses Verfahren ihren schweren Schlaganfall nicht überleben“, so Prof. Henkes. Zudem vergrößere sich durch die mechanische Thrombektomie auch das Zeitfenster, in dem eine Schlaganfallbehandlung noch erfolgreich sein kann.

Auf der Schlaganfallstation (Stroke Unit) erfolgt nach der Akutversorgung die Weiterbehandung durch ein erfahrenes Team aus Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Sozialdienstmitarbeitern. Die Schlaganfallstation mit zwölf Betten wird unmittelbar benachbart von einer sogenannten Post-Stroke-Unit mit acht Betten ergänzt. „In dieser der Stroke Unit nachgeschalteten Einheit werden die Patienten bis zur Entlassung – entweder nach Hause oder in eine geeignete Rehabilitationseinrichtung – betreut“, erläuterte Chefarzt Bäzner. Ziel der Behandlung in einer Stroke Unit ist, innerhalb kürzester Zeit eine komplette Diagnose zu stellen und nach festgelegten Behandlungsprinzipien mit medikamentöser, interventioneller oder operativer Therapie, physio- und ergotherapeutischer Behandlung, logopädischer Therapie sowie Rehabilitation zu beginnen, um den Patienten eine bestmögliche Lebensqualität zu erhalten.