Bessere Versorgung

Dr. Junger im Gespräch mit Patienten
Die Behandlung chronischer Schmerzen ist aufwändig. So sind die Therapieangebote trotz wachsenden Bedarfs zurückgegangen. Dem will das Regionale Schmerzzentrum Stuttgart entgegensteuern. Das Klinikum Stuttgart beteiligt sich unter anderem mit einer speziellen Schmerzambulanz.
Schmerztherapie ist vor allem „sprechende Medizin“ – und die wird im Vergütungssystem für niedergelassene Ärzte immer noch nur unzureichend honoriert. „Nicht zuletzt deshalb nimmt die Zahl der niedergelassenen Schmerztherapeuten auch in Stuttgart kontinuierlich ab“, erklärt Anästhesie-Chefarzt Prof. Dr. Andreas Walther. Um die ambulante und stationäre Versorgung der Patienten mit chronischen Schmerzen zu verbessern, ist deshalb vor einigen Jahren die Gründung von Regionalen Schmerzzentren angeregt worden.
Am Regionalen Schmerzzentrum Stuttgart (RSZ) beteiligen sich neben der Ärzteschaft Stuttgart das Klinikum Stuttgart, das Marienhospital, das Robert-Bosch-Krankenhaus, das Diakonie –Klinikum und das Karl-Olga-Krankenhau. Die Kooperationsvereinbarung wurde im August 2003 geschlossen, seit Frühjahr 2004 ist das RSZ vom Landeskrankenhausausschuss anerkannt. Durch die Kooperation soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit und der Wissens-austausch verbessert werden. Schmerztherapeuten erbringen Konsile in allen klinischen Bereichen. Außerdem werden Fortbildungen durchgeführt. Zum jährlichen Schmerztag des RSZ beispielsweise kommen regelmäßig 100 bis 150 niedergelassene Ärzte.
Zur Verbesserung des schmerztherapeutischen Angebotes in Stuttgart hat die Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Katharinenhospital eine Schmerzambulanz eingerichtet, die von Dr. Junger geleitet wird. Aufgrund einer derzeit noch eingeschränkten Ermächtigung können in der Schmerzambulanz allerdings nur Patienten behandelt werden, die von niedergelassenen Schmerztherapeuten oder anderen Ambulanzen im Haus überwiesen werden. Außerdem führen die Schmerztherapeuten der Klinik pro Jahr rund 600 Konsile bei Patienten auf den Stationen des Klinikums Stuttgart durch. „Wir rechnen aber damit, dass die Ermächtigung unseres Oberarztes Dr. Junger im kommenden Jahr ausgeweitet wird, so dass wird dann auch Schmerzpatienten direkt ambulant behandeln können“, so Professor Walther.
Die meisten leiden an Rückenschmerzen
Etwa die Hälfte der Patienten, die von den Schmerztherapeuten im Katharinenhospital behandelt werden, kommen aus dem orthopädisch-neurochirurgischen Bereich. Kein Wunder - schließlich ist der Rückenschmerz inzwischen die Volkskrankheit Nummer 1, die neben dem individuellen Leid auch eine bedeutende volkswirtschaftliche Dimension hat. Rückenschmerz verursacht in Deutschland rund 50 Milliarden Euro direkte und indirekte Kosten.
Einmal in der Woche ist Dr. Junger zur schmerztherapeutischen Visite auf der Palliativstation im Bürgerhospital. Eine enge Zusammenarbeit besteht auch mit der Onkologischen Tagesklinik. Zudem kümmert sich Dr. Junger um Tumorpatienten mit Schmerzproblemen aus allen Kliniken am Katharinenhospital.
Inzwischen wurde auch das Team der Schmerzambulanz erweitert. Mit Dr. Elke Riepe konnte eine Ärztin gewonnen werden, die ebenfalls die Zusatzqualifikation spezielle Schmerztherapie besitzt. Außerdem verfügt Dr. Junger seit diesem Sommer über die volle Weiterbildungsermächtigung für die Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“. So wird das Schmerztherapeuten-Team nun regelmäßig von zwei bis drei Ärzten in der Weiterbildung verstärkt. Mehrere Anästhesisten der Klinik arbeiten zudem im Rahmen des Akutschmerzdienstes mit im Team.
Als nächstes kommt die Zertifizierung
Im nächsten Schritt steht nun die Zertifizierung für die qualifizierte Schmerztherapie an, die für das zweite Halbjahr 2012 geplant ist. Dazu wurden bereits die nötigen Standards entwickelt, die dafür sorgen, dass alle Patienten, die unter akuten oder chronischen Schmerzen leiden, nach einem festen Schema eine individualisierte, optimale Schmerztherapie erhalten. Das beginnt bereits in der Interdisziplinären Notaufnahme (INA) und soll sich dann durch alle Bereiche fortsetzen. Dazu werden sowohl die ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Pflegekräfte entsprechend geschult. Im zweiten Quartal 2012 soll eine Mitarbeiter- und eine Patientenbefragung die Ergebnisqualität der Schmerztherapie messen. Auch das ist eine Voraussetzung für die Zertifizierung. Wenn am Ende alle Kliniken und Bereiche in die qualifizierte Schmerztherapie einbezogen sind, soll schließlich das „Schmerzfreie Krankenhaus“ stehen.
Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin (KH)
Ärztlicher Direktor
Prof. Dr. Andreas Walther
Schmerzambulanz
Oberarzt Dr. Stefan Junger
E.Mail: s.junger@klinikum-stuttgart.de
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