Bestrahlung während der OP

1. Die Position des Tumors wird ermittelt
2. Der Tumor wird operativ entfernt
3. Der Applikator wird in der Brust in der Tumorhöhle platziert
4. Der Applikator wird entfernt und die Wunde geschlossen
Mit einem neuartigen System können die Ärzte der Frauenklinik noch während der Operation die von der Krebserkrankung betroffene Brust bestrahlen und so die Heilungschancen verbessern.
„Die intraoperative Bestrahlung mit dem neuen System wird in der Therapie des Mammakarzinoms einen deutlichen Innovationsschub bringen“, ist Professor Dr. Ulrich Karck, der Ärztliche Direktor der Frauenklinik im Krankenhaus Bad Cannstatt, überzeugt. Das der Klinik angeschlossene Brustzentrum ist eines von drei Zentren in Baden-Württemberg, das die vom Hersteller Carl Zeiss entwickelte, schonende und hochwirksame Technik namens „Intrabeam“ bereits anbieten kann. Mit dem mobilen Gerät wird bei brusterhaltenden Operationen nach der Tumorentfernung das sogenannte Tumorbett direkt bestrahlt. Die wichtigste Quelle für eine Tumorneubildung, also für ein Rezidiv, wird so sehr gezielt behandelt. Die Gynäkologen der Frauenklinik und die Strahlentherapeuten der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie arbeiten bei dieser zielgerichteten intraoperativen Radiotherapie – TARGIT (TARGeted Intraoperative radio-Therapy) eng zusammen.
Verkürzte Strahlentherapie
Bei der Brustkrebsbehandlung schließt sich an die brusterhaltende Operation üblicherweise eine Strahlentherapie mit einem Linearbeschleuniger in circa 30 Sitzungen an. Am Ende der Bestrahlung wird dabei das Tumorbett mit einer erhöhten lokalen Dosis, dem sogenannten Boost, bestrahlt. „Mehrere Studien haben inzwischen gezeigt, dass die intraoperative Bestrahlung mit dem Intrabeam beim Mammakarzinom die anschließende herkömmliche Strahlentherapie um etwa eineinhalb Wochen verkürzen und in bestimmten Fällen sogar ganz ersetzen kann“, berichtet Privatdozent Dr. Marc Münter, Leiter des MVZ-Fachbereichs Strahlentherapie am Klinikum Stuttgart. Ein großer Vorteil sei zudem, dass mit dem Intrabeam-System die Boost-Bestrahlung des Tumorbettes ohne zeitliche Verzögerung noch während der Operation durchgeführt werden könne. Je nach Größe des operierten Tumors hat das Tumorbett unterschiedliche Durchmesser. Um die Strahlenquelle an das Tumorbett anpassen zu können, stehen verschiedene kugelförmige Applikatoren-Aufsätze zur Verfügung. Damit erreicht das Intrabeam-System eine sehr hohe Zielgenauigkeit. Die kurze Reichweite der abgegebenen Bestrahlung schont überdies das umliegende Gewebe.
Alternative für Patientinnen mit Lokalrezidiv
Verschiedene Studien haben inzwischen die Wirksamkeit der Intrabeam-Therapie bestätigt. Selbst bei Frauen, bei denen sich nach einer brusterhaltenden Operation und anschließender Bestrahlung dennoch ein Rezidiv gebildet hatte, erlaubte die intraoperative Bestrahlung in manchen Fällen eine erneute brusterhaltende Operation. Die übliche Behandlung bei einem Rezidiv ist bislang die Brustamputation.






