Schilddrüsenkrebs ist heilbar

Szintigraphie eines „kalten“, potenziell bösartigen Knotens in der Schilddrüse
Nur ein bis zwei Prozent aller kalten Knoten sind tatsächlich bösartig. „Ein Schilddrüsenkarzinom hat eine sehr gute Prognose“, so Lobmann, „in 95 Prozent lässt es sich heilen.“ In diesem Fall muss die Schilddrüse komplett operativ entfernt werden.
„Es handelt sich zwar um einen Routineeingriff, aber dennoch gehören Eingriffe an der Schilddrüse zu den subtilen Operationen“, sagt Dr. Hansjörg Killguss, Oberarzt an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Katharinenhospital. Aufgrund der komplexen Anatomie des Halses sowie der räumliche Nähe der Schilddrüse zum Stimmbandnerv operieren die Chirurgen zeitweise mit der Lupenbrille. „Die Funktion des Stimmbandnervs wird während der OP mittels Neuromonitorig überwacht“, so Killguss. Funktionsstörungen der Nerven und damit der Sprachfähigkeit sind bei Primäreingriffen dadurch eine absolute Seltenheit. Erst bei Wiederholungseingriffen steigt das Risiko. „Deshalb ist die Anwendung des Neuromonitorings vor allem bei Zweit- oder Dritteingriffen im Halsbereich, die in unserer Abteilung ebenfalls häufig durchgeführt werden, von größter Bedeutung“, so Killguss.
Nach der Operation schließt sich eine Radiojodtherapie in der Nuklearmedizin an. „Differenzierte Schilddrüsenkarzinomzellen verhalten sich wie gesundes Schilddrüsengewebe“, sagt Dr. Gabriele Pöpperl, Ärztliche Direktorin der Nuklaermedizin, „um eventuelle Absiedelungen in Lymphknoten oder anderen Regionen zu vermeiden, werden sie mittels Radiojodtherapie komplett zerstört.“ Damit das auch einwandfrei funktioniert, dürfen die Patienten vier bis sechs Wochen nach der Schilddrüsenentfernung kein Schilddrüsenhormon einnehmen. Durch die dabei entstehende Unterfunktion werden die wenigen verbliebenen Schilddrüsenzellen nach dem von ihnen benötigten Jod „ausgehungert“. Der Patient nimmt dann radioaktives Jod in Form einer Kapsel ein. Da die Schilddrüsenzellen nicht zwischen dem normalen und dem radioaktiven Jod unterscheiden können, wird es aktiv in alle Schilddrüsenzellen im Körper eingeschleust, die in der Folge durch die Strahlung zerstört werden. So können auch Lokalrezidive, Lymphknoten- und Fernmetastasen in vielen Fällen erfolgreich therapiert werden. Anschließend folgt eine lebenslange Substitution mit Schilddrüsenhormon.






