Operation oder Radiojodbehandlung?

Szintigraphie eines gutartigen Knotens in der Schilddrüse
Auch bei bestimmten gutartigen Knoten, die durch einen Jodmangel, Entzündungen und Funktionsstörungen entstehen können, kann eine Operation oder die Radiojodbehandlung sinnvoll sein. Solche autonomen Adenome oder auch heiße Knoten genannt, produzieren unkontrolliert Schilddrüsenhormone und führen deshalb zur Überfunktion.
„In diesen Fällen entfernen wir nur den Knoten und lassen das Restgewebe stehen“, erklärt Chirurg Dr. Killguss. Ist der Knoten nicht zu groß, kann die Schilddrüse anschließend wieder normal funktionieren. Bei einer Schilddrüse mit vielen Knoten und Verwachsungen ist im Allgemeinen die komplette Entfernung der Drüse erforderlich, wobei die Chirurgen des Katharinenhospitals stets versuchen, einen Rest gesunden Schilddrüsengewebes zu erhalten, wenn es denn möglich ist. „Ist die Schilddrüse komplett entfernt, ist der Patient vollkommen von einer externen Hormonzufuhr abhängig“, sagt Professor Dr. Köninger, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Katharinenhospital, „sollte er dann aus irgendwelchen Gründen längere Zeit keinen Zugriff auf das Hormonpräparat haben, kann dies lebensgefährliche Folgen haben.“ Außerdem findet in der Restschilddrüse noch eine gewisse Fernregulation des Hormonhaushaltes statt, was die Lebensqualität des Patienten verbessert. Eine Alternative zur Operation ist auch bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen die Radiojodtherapie. „Bei der Überfunktion nehmen vor allem die überproduzierenden Zellen das radioaktive Jod verstärkt auf“, erklärt Dr. Gabriele Pöpperl. Welche Methode für welchen Patienten die geeignetste ist, wird zusammen mit dem Patienten individuell entschieden.
Weitere Ursache für die Schilddrüsenüberfunktion ist neben den autonomen Adenomen der sogenannte Morbus Basedow. „Diese Autoimmunerkrankung wird – je nach Verträglichkeit – zunächst 12 bis 18 Monate mit Thyreostatika, die die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen, behandelt“, erklärt Professor Lobmann. Bei bis zu 60 Prozent der Betroffenen könne man dadurch eine Remission oder sogar eine dauerhafte Heilung erreichen. Gelingt das nicht oder kommt es zur erneuten Überfunktion, kann auch hier mittels Radiojodtherapie oder operativ behandelt werden.
Schwerpunktzentrum bei Nebenschilddrüsen-Operationen
Neben den Erkrankungen der Schilddrüsen wird im Klinikum Stuttgart auch die Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) behandelt. Die Nebenschilddrüsen bestehen aus vier etwa linsengroßen Epithelkörperchen. „Adenome an den Nebenschilddrüsen führen zu einer Störung des Kalziumstoffwechsels und sollten deshalb entfernt werden“, sagt Chirurg Dr. Killguss. Seit 1985 wurden bereits über 1.000 Patienten mit dieser seltenen Erkrankung im Katharinenhospital operiert. Bei 95 Prozent der Patienten finden sich alle vier Nebenschilddrüsen im Halsbereich. „Bei fünf Prozent liegen atypische Lokalisationen vor, dann müssen wir die Nebenschilddrüsen im gesamten Bereich zwischen Schädelbasis und Brustkorb suchen“, so Killguss. In solchen Fällen wird in Zusammenarbeit mit der Nuklearmedizin eine ausführliche Diagnostik durchgeführt, um die Nebenschilddrüsen an atypischen Stellen aufzufinden. Nach genauer Lokalisationsdiagnostik kann beim primären Hyperparathyreoidismus eine minimalinvasive Entfernung durchgeführt werden. Die Nachbehandlung erfolgt dann wieder in der Medizinischen Klink 3 am Bürgerhospital.






