Dem Keim auf der Spur

Für die Behandlung von MRSA-Patienten auf der Isolierstation gelten ganz besonders strenge Hygienevorschriften.
Die Hygienestandards im Klinikum Stuttgart sind hoch – das Personal für die Thematik sensibilisiert. Denn die Ausbreitung von gefährlichen Krankenhauskeimen lässt sich nur auf eine Art eindämmen: durch strikte Disziplin.
Sie sind allgegenwärtig, unsichtbar und können manchmal – wie jüngst wieder gesehen – lebensgefährlich sein: Bakterien, Viren, Pilze, allesamt mikroskopisch kleine Keime, die uns an den Händen kleben und über Türklinken oder einen schlichten Händedruck von Mensch zu Mensch getragen werden. Besonders gefürchtet sind dabei die Erreger, die gegen alle Mittel gewappnet sind. Dazu zählen zunehmend Bakterien, die auf kein Antibiotikum mehr ansprechen – Bakterien, mit denen sich Patienten auch in einem Krankenhaus anstecken können.
Mit Antibiotika-resistenten Krankenhauskeimen beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren Professor Dr. Matthias Trautmann. Der Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene am Klinikum Stuttgart ist Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin. Daneben besitzt er auch noch die Facharzttitel für Innere Medizin und Mikrobiologie. „Unsere einzige Möglichkeit, die Ausbreitung gefährlicher Erreger im Krankenhaus einzudämmen, ist eine strikte Einhaltung von Hygienemaßnahmen“, erklärt er. Anfang Juni erst hat die Bundesregierung beschlossen, dass die Hygienestandards in Krankenhäusern verschärft werden müssen, um die Ansteckungsgefahr mit Krankenhauskeimen zu senken. Eine Maßnahme, die Professor Trautmann begrüßt.
Mit allen Mitteln gegen MRSA
Vor allem ein Erreger macht den Medizinern das Leben schwer: das Antibiotika-resistente Bakterium MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Jährlich sterben bundesweit tausende Menschen an den Folgen einer Infektion mit diesem Krankenhauskeim. „MRSA ist ein Erreger, der immer im Zusammenhang mit dem Gesundheitswesen vorkommt und immer auf einen Hygienefehler an irgendeiner Stelle der Behandlungskette hinweist“, erklärt Professor Trautmann. Dass das Klinikum Stuttgart in einem kürzlich veröffentlichten Qualitätsvergleich der „GeQik“ (Geschäftsstelle Qualitätssicherung im Krankenhaus) deutlich weniger MRSA-Infektionen aufweisen kann als andere Krankenhäuser in Baden-Württemberg, liegt an der Reihe von Hygienemaßnahmen, die hier zum Standard gehören.
60 bis 70 Prozent der Betroffenen bringen den MRSA-Erreger bereits ins Krankenhaus mit. Sie tragen ihn auf der Haut oder Schleimhaut. Bei gesunden Menschen löst der MRSA-Keim keine Infektion aus, erst wenn er bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem durch offene Wunden, bei Operationen, Punktionen oder durch Katheter ins Körperinnere eindringt, kann er schwer therapierbare Entzündungen verursachen. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, die MRSA-Träger zu identifizieren. Im Klinikum Stuttgart werden Risikopatienten bei der Aufnahme einem Eingangsscreening unterzogen. Der standardisierte Fragebogen wurde von Professor Trautmann und seinem Team aus Hygienefachkräften entwickelt und liegt der Aufnahmeakte bei.
Bei kleinstem Verdacht – wenn also nur eine der standardisierten Fragen mit Ja beantwortet wird – muss ein Abstrich genommen und auf MRSA untersucht werden. Ist der Test positiv, wird der Patient sofort isoliert behandelt – in einem Einzelzimmer, das mit einem Türschild markiert ist. „Eine eigene MRSAStation gibt es absichtlich nicht“, erklärt Professor Trautmann, „denn wir versuchen, die MRSA-Infektion zu sanieren. Wären die Patienten auf einer gemeinsamen Station untergebracht, würden sie sich ständig wieder gegenseitig anstecken und eine Eliminierung des Keims wäre unmöglich.“






